unsere Vögel

 

Amsel Die Amsel ist mit ihrem melodischen, wohlklingenden Flöten, das manchmal schon im Januar erklingt, einer der ersten Frühlingsboten. Sie singt gerne an exponierten Stellen, auf Dachfirsten oder Baumwipfeln, so dass ihr Gesang weithin zu hören ist. Das liebliche, gedämpfte Schlussmotiv wird bei geschlossenem Schnabel gesummt und klingt wie ein entferntes Echo. Die Amsel war ursprünglich eine scheue Bewohnerin dichter, unterholzreicher Wälder. Erst im Lauf der letzten 100 Jahre ist sie so zahlreich in Siedlungen und Städte vorgedrungen, dass sie heute in Europa zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Brutvögeln gehört.
Bachstelze Die Bachstelze ist als zutrauliche Kulturfolgerin und Bewohnerin offener Landschaften weit verbreitet und kaum zu übersehen. Zwar findet man sie oft in der Nähe eines Gewässers, doch ist sie nicht ans Wasser gebunden, wie man aus ihrem deutschen Namen schliessen könnte. Ihre Nahrung sucht sie hauptsächlich auf vegetationsfreien oder wenig bewachsenen Flächen im Kulturland, an Strassen und auf Hausdächern. Sie gehört zu den wenigen Vogelarten, die von den menschlichen Eingriffen in die Kulturlandschaft profitieren
Bartgeier Der Bartgeier ist mit einer Spannweite von über 2,6 Metern der grösste Vogel der Alpen. Um ihn hielten sich in der Vergangenheit zahlreiche Märchen, wovon auch alte Trivialnamen wie «Rossgyr», «Gemsengeier» oder «Lämmergeier» zeugen. In der Schweiz wurde er bis zum Ende des 19. Jahrhunderts aus Konkurrenzüberlegungen und Unkenntnis sowie dank Abschussprämien gezielt dezimiert und schliesslich ausgerottet. 1986 wurde mit einem internationalen Programm zur Wiederansiedlung in den Alpen begonnen.
Bartmeise Die Bartmeise ist die einzige europäische Vertreterin einer vorwiegend in tropischen Regionen verbreiteten Familie. Sie ist nicht näher mit den eigentlichen Meisen verwandt. Oft verraten sich die im dichten Schilfgürtel eher unauffällig lebenden, sehr geselligen Vögel mit ihren metallischen, nasalen Kontaktrufen. Gegen Ende der Brutzeit schliessen sich die Familien zu Trupps zusammen. Bereits dann kommt es zur Paarbildung. Die Paare können - im Unterschied zu den meisten einheimischen Singvogelarten - mehrere Jahre lang zusammenhalten.
Baumfalke Mit seinem eleganten Körper und seinen sichelförmigen Flügeln erinnert der Baumfalke oft an einen übergrossen Mauersegler, dessen Flugkünsten er in nichts nachsteht. Er ist ein sehr gewandter Luftjäger: Im rasanten Sturzflug stösst er auf fliegende Vögel, überrascht die Beute im niedrigen Jagdflug oder erbeutet spielend Grossinsekten, die er gleich im Flug «zubereitet» und verzehrt.
Baumpieper Der Baumpieper ist dank seinem auffälligen Singflug bekannt: Das Männchen fliegt von einer erhöhten Warte steil in die Luft, stimmt kurz vor der höchsten Stelle seinen Gesang an, der auch nicht verstummt, während es mit fallschirmartig ausgebreiteten Flügeln schräg abwärts gleitet, und lässt ihn mit einer Folge von anschwellenden «zia-zia-zia»-Lauten ausklingen. Dieses Schauspiel war in der früheren Kulturlandschaft ein vertrautes Bild - heute ist es im Mittelland kaum mehr zu bewundern. Die übrig gebliebenen Feuchtgebiete in den Niederungen konnten den Rückzug des Baumpiepers in höhere Lagen nicht aufhalten.
Bergfink Bergfinken ziehen ab Mitte September von ihren Brutgebieten in den Wäldern Nordeuropas und Sibiriens nach West-, Mittel- und Südeuropa. Ihr Winterquartier deckt sich mit der Verbreitung der Buche. Bucheckern sind die wichtigste Nahrungsquelle im Winter. In unregelmässigen Abständen finden bei uns Masseneinflüge statt. Aufsehen erregend sind die grossen Schlafgemeinschaften an meist windgeschützten Lagen, die mehrere Millionen Vögel beherbergen können. Die Manöver und Einflüge an den Schlafplätzen sind ein überwältigendes Naturschauspiel. Das lautstarke Gezwitscher tönt wie ein riesiger Wasserfall, auch nachts herrscht nie vollständige Ruhe.
Berglaubsänger Von den vier bei uns brütenden Laubsängerarten ist der Berglaubsänger jene mit dem südlichsten Verbreitungsgebiet. Die Schweiz liegt praktisch am Nordrand seines Areals. Er bewohnt bevorzugt südexponierte Hänge und Bergrücken mit lockerem Wald oder vielen Büschen. Weder die Mittagshitze noch starker Wind scheinen den unermüdlichen Sänger davon abzuhalten, seinen kurzen, schwirrenden Gesang vorzutragen. Der schlicht gefärbte Vogel ist schwierig zu beobachten, denn er hält sich meistens in den Baumkronen auf.
Bergpieper Der Bergpieper ist in den Alpen ein häufiger Brutvogel auf kurzrasigen, mit Felsblöcken und Steinen durchsetzten Weiden. Die höchsten Brutplätze liegen auf gegen 3000 m. Im Brutgebiet fällt der Bergpieper vor allem durch seinen Singflug auf. Der in dieser Höhe kurze Sommer ermöglicht nur bei günstigem Wetterverlauf zwei erfolgreiche Bruten, oft misslingt aber schon der erste Brutversuch. Nach der Brutzeit ziehen die Bergpieper talwärts und überwintern bevorzugt in Gewässernähe.
Bergstelze Die Bergstelze kommt trotz ihres deutschen Namens regelmässig in den Niederungen vor, allerdings in etwas geringerer Dichte. Mit Vorliebe besiedelt sie rasch fliessende Bäche mit kiesigen Ufern. Sie ist ein Indikator für saubere, ungestörte und naturnahe Fliessgewässer. Auffällig ist ihr ständiges Wippen mit dem Schwanz und dem Hinterkörper. Das Wasserrauschen übertönt Rufe und Gesänge, so dass für die Verständigung zwischen Partnern und Reviernachbarn gut sichtbare Bewegungen nötig sind.
Beutelmeise Die Beutelmeise ist die einzige ausserhalb Afrikas vorkommende Art ihrer Familie und gehört zu den kunstfertigsten Nestbauern unter den europäischen Brutvögeln. An den äusseren Zweigenden einer Weide oder einer Birke beginnt das Männchen mit Pflanzenfasern und Samenwolle eine birnenförmige Grundkonstruktion, die dann zusammen mit dem Weibchen zum beutelförmigen Nest vollendet wird. Der Eingang führt durch einen röhrenartigen Fortsatz. Die Nester sind so kunstvoll verwoben, dass sie in Osteuropa früher sogar als Pantoffeln für Kleinkinder verwendet wurden.
Bienenfresser Der farbenprächtige, elegante und wärmeliebende Bienenfresser ist der einzige europäische Vertreter einer weitgehend auf die Tropen und Subtropen der Alten Welt beschränkten Familie. Früher zeigte sich der Bienenfresser nur unregelmässig bei uns, hauptsächlich infolge Zugverlängerung im Frühjahr. Mittlerweile brütet dieses fliegende Juwel hier regelmässig. Als stark spezialisierte Grossinsektenjäger haben die Vögel immer wieder Vorstösse aus dem ursprünglichen Brutgebiet im Mittelmeerraum gegen Norden unternommen
Blaukelchen Das männliche Blaukehlchen zählt dank der leuchtend blauen Kehle, die vom hellen Bauch durch ein schmales schwarzweisses und ein breiteres rostrotes Band getrennt ist, zu den schönsten Vögeln. Die Farbe des kleinen Flecks («Stern») mitten im Blau variiert je nach Unterart. Das «Rotsternige Blaukehlchen» kommt vor allem in Skandinavien und Sibirien vor, seit 30 Jahren brütet es auch an wenigen Stellen in den Alpen. Diese kleinen Brutvorkommen wurden wohl von «hängen gebliebenen» skandinavischen Durchzüglern begründet.
Blaumeise Die lebhaften und geschickten Blaumeisen sind wenig scheu. Sie erscheinen im Winter oft am Futterbrett und zanken sich mit anderen Vögeln um die begehrten Happen. Im Gegensatz zu anderen Meisen legen sie keine Vorräte an, bedienen sich aber gerne aus den Verstecken beispielsweise von Sumpfmeisen. Bei der Nahrungssuche ist die Blaumeise erfinderisch. So hat sie 1929 in Grossbritannien gelernt, Verschlüsse von Milchflaschen aufzureissen, damit sie den Milchrahm verzehren kann. Dieses Verhalten hat sich in der Folge rasch ausgebreitet.
Blaumerle Das Blaumerlenmännchen sieht wie eine blau gefärbte Amsel aus. Seinen flötenden Gesang trägt es auch im Singflug vor, wobei es von einer exponierten Warte startet und sich mit gespreiztem Schwanz von Aufwinden ein Stück in die Höhe tragen lässt. Die Blaumerle ist wärmeliebend und verbreitet bei uns vor allem im Tessin einen Hauch südländischer Stimmung. In der Mittelmeerregion brütet sie teilweise als Kulturfolger an Ruinen, Türmen oder Gebäuden in Städten.
Braunkelchen Als typischer Wiesenvogel bewohnt das Braunkehlchen blumenreiche, vielfältige und extensiv genutzte Wiesen. Für das Brutgeschäft benötigt es etwas mehr als einen Monat. Doch soviel Zeit bleibt ihm in intensiv genutzten Wiesen nicht, die Bodennester werden regelmässig vermäht. Im Mittelland ist der «Wiesenschmätzer» daher heute praktisch verschwunden. Auch in den Bergen kommt er in Bedrängnis.
Bruchwasserläufer Der Bruchwasserläufer brütet in den nordeuropäischen Mooren und Sümpfen. Früher war er auch im nördlichen Mitteleuropa verbreitet, verschwand aber wegen Lebensraumverlust. Auf dem Frühjahrs- und Herbstzug ist er regelmässig bei uns anzutreffen. Der Bruchwasserläufer rastet gerne auf überschwemmten Wiesen und kann besonders infolge Zugstau nach Regenfällen grosse Ansammlungen bilden.
Buchfink Nicht der Haussperling oder die Amsel, sondern der Buchfink ist unser häufigster Brutvogel. Er kommt überall vor, wo zumindest einige Bäume wachsen, denn er ist nicht besonders wählerisch. Im Winter ist der Buchfink ein zahlreicher Gast an Futterhäuschen. Hier begnügt er sich meist damit, die heruntergefallenen Samen am Boden aufzunehmen. Da die Weibchen etwas kleiner und deshalb den Winterbedingungen weniger gut gewachsen sind, ziehen vor allem sie nach Westen und Süden. Deshalb überwiegen im Winter bei uns und besonders in Nordeuropa die Männchen. Das dürfte der Grund sein, weshalb der Buchfink seinen wissenschaftlichen Namen Fringilla coelebs, der «ledige Fink», erhalten hat.
Buntspecht Der Buntspecht macht bereits an warmen Februartagen mit kurzen, kräftigen Trommelwirbeln auf sich aufmerksam. Um Erschütterungen beim Trommeln zu mildern, ist das Gehirn stossdämpfend gelagert. Unsere häufigste und am weitesten verbreitete Spechtart stellt geringe Ansprüche an den Lebensraum und brütet auch in städtischen Parkanlagen. Sie zeigt durch die Nutzung von Koniferenzapfen in besonderen «Spechtschmieden» und von Baumsaft durch das «Ringeln» von Bäumen eine bemerkenswerte Spezialisierung.
Distelfink Der bunte Distelfink war schon seit der Römerzeit wegen seiner Farbenpracht, seines Gesangs, seiner Verträglichkeit und weil er sich leicht mit Kanarienvögeln kreuzen lässt, ein beliebter Käfigvogel. Seinen Namen erhielt er, weil er im Sommer und Herbst oft auf Disteln sitzt und mit dem relativ langen und spitzen Schnabel die Samen aus den Fruchtständen klaubt. Der oft zu hörende Kontaktruf «stiglit» gab der Art den anderen gängigen Namen Stieglitz.
Dorngrasmücke Eine singende Dorngrasmücke ist im dichten Gestrüpp manchmal schwer zu sichten, wenn sie nicht zur Abwechslung zu einem kurzen Singflug startet. Der kratzende Gesang passt gut zum dornigen Lebensraum. Der wissenschaftliche Artname communis - «allgemein, überall vorkommend» - steht in traurigem Kontrast zur heutigen Verbreitung bei uns. Dürren in der Sahelzone führten Ende der Sechzigerjahre zu einem markanten Rückgang. Der Bestand hat sich in der Zwischenzeit kaum erholen können, da der bevorzugte Lebensraum, Hecken, Kleinstrukturen, ungepflegte Böschungen und Brachflächen, allzu oft dem menschlichen «Ordnungsfimmel» zum Opfer fällt.
Dreizehenspecht Die Anwesenheit des heimlichen Dreizehenspechts wird oft übersehen. Er ist wenig scheu und fliegt kaum weg, wenn man sich ihm nähert. Seine unauffälligen Rufe sind nicht laut und tönen ähnlich wie jene des Buntspechts. Gerne verschwindet er auf die hintere Seite des Stammes und entgeht so neugierigen Blicken. Der Borkenkäferspezialist bevorzugt ungepflegte Fichtenwälder mit reichlich Totholz.
Drosselrohrsänger In dichten, überschwemmten Schilfbeständen markiert das Drosselrohrsängermännchen mit lautstarker, knarrender Stimme sein Revier. Mit etwas Geduld kann es auf seiner Singwarte - meist ein hoher Schilfhalm - entdeckt werden. Bei diesem Rohrsänger kann es zu Polygamie kommen. Jene Männchen, die möglichst früh am Brutplatz eintreffen, haben die grössten Chancen, mehrere Weibchen anzulocken.
Eichelhäher Durch seine rätschenden Rufe fällt der prächtig gefärbte Eichelhäher fast das ganze Jahr über auf. Nur in der Brutzeit verhält er sich heimlicher. Als scheuer Vogel ist er äusserst aufmerksam. Sein Warnruf ertönt meist, bevor der Vogel selbst entdeckt wird und macht nicht nur Artgenossen, sondern auch andere Vögel auf Gefahren aufmerksam. Im Herbst sammeln die Vögel Eicheln und Nüsse und verstecken sie sorgfältig als Vorrat für den Winter. Da nicht alle Verstecke wieder gefunden werden, beginnen viele Samen zu keimen. Auf diese Weise sorgen die Eichelhäher für die Verbreitung der Samen.
Eisvogel Die schillernde Färbung, die heimliche Lebensweise und die Seltenheit haben den Eisvogel berühmt gemacht. Nach einer französischen Sage kam er zu seiner Farbenpracht, weil Noah ihn mit dem Auftrag, nach Festland Ausschau zu halten, fliegen liess. Wegen eines heftigen Sturms musste der Eisvogel so hoch fliegen, dass die Sonne unter ihm lag. Dabei nahm die Oberseite die Farbe des blauen Himmels an, die Unterseite färbte sich durch die Glut der Sonne rot.
Elster Elstern haben einen schlechten Ruf, weil sie als Nesträuber gelten. Sie sind Allesfresser und in der Brutzeit nimmt der Anteil tierischer Nahrung zu. Auch dann machen Eier und Jungvögel anderer Arten nur etwa 2-3 Prozent der Nahrung aus. Nicht nur Elstern und Krähen plündern Vogelnester, sondern auch Spechte, Marder, Eichhörnchen und Hauskatzen. Der Bestand der Elster ist in den letzten Jahrzehnten bei uns insgesamt nur leicht angestiegen. Sie ist aber vermehrt ins Siedlungsgebiet eingewandert und zu einem eigentlichen Kulturfolger geworden.
Erlenzeisig Der Erlenzeisig ist - ähnlich wie der Fichtenkreuzschnabel - ein unsteter Vogel. Er lässt sich bevorzugt dort nieder, wo das aktuelle Samenangebot gute Aufzuchtsmöglichkeiten für die Jungen verspricht. In der Schweiz brütet er in schwankender Zahl vor allem in den Fichtenwäldern der Alpen und des Juras. In Jahren mit reichlicher Fichtensamenproduktion fallen eifrige Sänger schon im Vorfrühling auf.
Feldlerche Die Dichter haben die Feldlerche wegen ihres Gesangs - ein endloser Fluss trillernder oder jubilierender Töne - als Frühlingsbotin und Minnesängerin der Lüfte gepriesen. Ein Frühlingsmorgen in der offenen Kulturlandschaft, in der die Luft vom Lied der Feldlerche erfüllt ist, bleibt unvergesslich. Singend steigt das Männchen in immer kleiner werdenden Spiralen steil empor, meist bis in 60 Meter Höhe. Dann «hängt» es singend mehr oder weniger auf der Stelle. Da es beim Ein- und Ausatmen nicht absetzt, kann es fünf Minuten und länger singen.
Feldschwirl Der Gesang des Feldschwirls, ein eintöniges mechanisches Schwirren, ist leicht mit dem Zirpen einer Grille oder Heuschrecke zu verwechseln und meist in der Dämmerung und nachts zu hören. Das Männchen singt so, dass kaum herauszufinden ist, wo es sich aufhält. Wird der Feldschwirl aufgescheucht, schlüpft er blitzschnell in dichten Pflanzenbewuchs, wo er mit seinen Bewegungen an eine Maus erinnert. Fliegt er doch einmal, tut er es nur über kurze Strecken und nahe über dem Boden, um gleich wieder in der Vegetation zu verschwinden.
Feldsperling Der Feldsperling ist weniger an menschliche Siedlungen gebunden als der etwas grössere Haussperling und meidet das Innere von Städten und Dörfern. Vorzugsweise lebt er in mit Hecken und Kleingehölzen durchzogenen Kulturlandschaften, in Obst- und Gemüsegärten und an Waldrändern. Er besetzt kein Revier und braucht zum Brüten nur eine Höhle. Gerne benützt er dazu Meisenkästen, aus denen er notfalls schwächere Höhlenbewohner hinauswirft. Der Feldsperling hat einen feineren Schnabel als der Haussperling, weshalb er Getreide nur vor der Reife frisst, wenn die Körner noch milchig weiss sind. Er zieht die kleineren Samen von Gräsern und allerlei Wildkräutern vor.
Felsenschwalbe Die Felsenschwalbe ist die kräftigste unter den vier in der Schweiz brütenden Schwalbenarten. Sie hält sich am liebsten im schroffen Felsgelände in den Alpen und im Jura auf. Als bemerkenswerte Flugkünstlerin vermag sie auch feinste Luftströmungen auszunützen. Auf kleinstem Raum kann sie wenden, beinahe Loopings machen und dann wieder kühn ins Tal hinunter schiessen. In jüngster Zeit nistet die Felsenschwalbe mehr und mehr an Kunstbauten und in Bergdörfern und dehnt ihr Brutgebiet zunehmend gegen das Mittelland aus.
Fichtenkreuzschnabel Der Fichtenkreuzschnabel ist die verbreitetste Kreuzschnabelart. Seine überkreuzten Schnabelspitzen sind ein klassisches Beispiel für eine dem Nahrungserwerb angepasste Schnabelform. Mit diesem Spezialwerkzeug kann der Vogel die Samen zwischen den Schuppen von Nadelholzzapfen herausholen. Bruten können in Abhängigkeit vom Reifezustand der Fichtensamen in jedem Monat stattfinden.
Fitis Fitis und Zilpzalp sind so genannte Zwillingsarten und ähneln sich stark. Am besten gelingt die Unterscheidung anhand des Gesangs: Jener des Fitis klingt schwermütig flötend. Der ausgesprochene Zugvogel überwintert südlich der Sahara. Bei uns stösst er an die Südgrenze seines Areals. Das Hauptverbreitungsgebiet des Fitis sind nordische Wald- und Buschlandschaften, wo er eine der häufigsten Vogelarten überhaupt ist. Im April und Mai kann man seine Häufigkeit erahnen, wenn sich Durchzügler überall - aus jedem Garten, jeder Baumgruppe und jedem Wald - singend bemerkbar machen.
Flussregenpfeifer Wenn sich auf Schotter- oder Sandbänken plötzlich Kieselsteine zu bewegen scheinen, dürfte es sich um einen Flussregenpfeifer handeln. Der Vogel «rollt» mit seinen schnellen Trippelschritten geradezu über den Boden, hält plötzlich an, um rasch wieder eine Strecke zurückzulegen. Manchmal trampelt er energisch auf Sand oder Schlamm herum, um Beutetiere aus ihren Schlupfwinkeln aufzuscheuchen.
Flussseeschwalbe Flussseeschwalben sind ruffreudige, elegante und grazile Vögel, die sehr geschmeidig und schwungvoll fliegen. Mit eindrücklichen Sturzflügen tauchen sie ins Wasser, um kleine Fische zu erbeuten. Früher brütete die Flussseeschwalbe bei uns an unverbauten Flüssen, doch durch Gewässerkorrektionen gingen diese Brutplätze verloren. Dank neu errichteter Flösse, Plattformen und künstlich aufgeschütteter Kiesinseln sind es mittlerweile wieder über 400 Brutpaare.
Flussuferläufer Der Flussuferläufer hält bei der Nahrungssuche oft inne und wippt mit dem Hinterkörper. Er fällt besonders durch seinen Schwirrflug auf, eine Serie von raschen, flachen Flügelschlägen, die von einer kurzen Gleitphase unterbrochen wird. Dabei werden oft schrill tönende Rufe ausgestossen. Die letzten 100 Brutpaare der Schweiz brüten in naturnahen Flussauen der Alpen und Voralpen.
Gänsegeier Als Aasfresser hatte der Gänsegeier früher einen schlechten Ruf. Langsam setzt in der Bevölkerung jedoch ein Sinneswandel ein und in mehreren Regionen nimmt der faszinierende Greifvogel wieder zu. Er ist bestens an das Ausnehmen von Kadavern angepasst: Der Kopf und der lange Hals sind nur leicht befiedert und eine Halskrause schützt den restlichen Körper vor Verschmutzung. Die Vögel suchen systematisch ein Gebiet ab, ohne dabei Artgenossen oder kleinere Suchflieger wie Milane, Kolkrabe und Schmutzgeier aus den Augen zu verlieren. So finden Gänsegeier viele Kadaver auch in strukturiertem Gelände in überraschend kurzer Zeit.
Gänsesäger An Grösse übertrifft der Gänsesäger bei uns alle Schwimm- und Tauchenten. Die Hauptverbreitung liegt in Skandinavien, Sibirien und Nordamerika. Auch im nördlichen Alpenvorland gibt es eine Brutpopulation, von der rund die Hälfte an den Schweizer Seen und Flüssen brütet. Damit kommt unserem Land eine grosse Verantwortung für die Erhaltung dieser Population zu. Beim Balzen reckt sich das Männchen im Wasser hoch, streckt den Hals und richtet die Scheitelfedem auf. Danach kommt es zu einer Jagd zwischen den Partnern
Gartenbaumläufer Die beiden Baumläuferarten sind im Feld häufig nur an ihrer Stimme zu unterscheiden. Der grösstenteils auf Europa beschränkte Gartenbaumläufer lockt mit einem lauten «tüüt» und hat einen kurzen, lauten und rhythmischen Gesang. Bei Frost sucht er Schlafplätze in geschützten Schlupfwinkeln auf, beispielsweise unter einem Dachvorsprung. Hier verbringen mehrere eng aneinander gekuschelte Vögel die Nacht. Sie wechseln oft ihren Platz, so dass im Verlauf der Nacht jedes Tier einige Zeit zuinnerst in der Schlafgemeinschaft verbringen kann.
Gartengrassmücke Die unscheinbar gezeichnete Gartengrasmücke besiedelt bei uns alle Höhenstufen von den Niederungen bis zur Baumgrenze. Am meisten fällt sie durch die Stimme auf. Die Männchen können oft minutenlang den anhaltenden, plaudernden und abwechslungsreichen Gesang vortragen. In Gärten ist die Art trotz ihres Namens kaum anzutreffen, da es dort meist an buschreichem, ungepflegtem Gestrüpp mangelt. Gartengrasmücken sind hauptsächlich Insektenfresser. Im Herbst werden aber auch viele Beeren wie Holunder-, Him- und Brombeeren verzehrt, um Fettreserven für die lange Reise in die afrikanischen Winterquartiere aufzubauen.
Gartenrotschwanz Der Gartenrotschwanz ist einer unserer prächtigsten Singvögel und meist leicht zu beobachten. Seit den Sechzigerjahren hat er besonders in den Niederungen viel Terrain eingebüsst. Vielerorts sind in den verbliebenen Obstbaugebieten nur noch einzelne Männchen mit ihrem wehmütig tönenden Gesang anzutreffen. Der Gartenrotschwanz ist ein Langstreckenzieher und verbringt die Hälfte des Jahres in Nachbarschaft exotischer Vogelarten in der Sahelzone.
Gelbspötter Anfangs des 20. Jahrhunderts muss der Gelbspötter ein Charaktervogel aller Gärten, Obstanlagen und gebüschreicher Gelände gewesen sein. Stellenweise war er so häufig, dass er «Gartenspötter» genannt oder gar als «Schreihals» bezeichnet wurde. Seit den Sechzigerjahren nimmt sein Bestand stark ab. Der Gelbspötter gehört zu den besten Sängern. Sein lauter, lebhafter und variabler Gesang setzt sich aus flötenden, zwitschernden und nasalen Tönen sowie Imitationen anderer Vogelarten wie Drosseln, Meisen, Schwalben oder Pirol zusammen.
Gimpel Wegen der schwarzen Kopfkappe und der hellroten Unterseite des Männchens wird der Gimpel auch Dompfaff genannt. Sein kurzer Schnabel mit den scharfen Schneidekanten ist ein vorzügliches Instrument, um Knospen abzuzwicken, Schalen zu knacken und Samen herauszuschälen. Während der kalten Jahreszeit ist dieser Waldbewohner regelmässig in Ortschaften anzutreffen. Allerdings hat die Zahl der winterlichen Siedlungsgäste möglicherweise wegen der milderen, schneeärmeren Winter abgenommen.
Girlitz Noch im Mittelalter war der Girlitz auf das Mittelmeergebiet beschränkt. Später, vor allem im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts, stiess er mehr und mehr nach Norden vor und ist heute ein recht häufiger Brutvogel in Mittel- und Osteuropa. Ohne Mithilfe des Menschen hätte der Girlitz nicht so rasch vordringen können, denn die Nadelgehölze, für die dieser kleine gelbe Vogel eine Vorliebe hat, findet er vor allem in der Nähe menschlicher Siedlungen.
Goldammer Die Goldammer ist die verbreitetste und häufigste Ammer Europas und besiedelt am liebsten Kulturlandschaften mit Hecken, Obstgärten, Äckern und Wiesen. Bereits im zeitigen Frühjahr trägt das Männchen seinen einfachen Gesang vor: «Wie, wie, wie, wie hab ich dich lieb». Früher haben Waldrodungen, traditioneller Ackerbau und Pferdehaltung die Goldammer stark gefördert. Doch ihre besten Zeiten sind vorbei, und Voraussetzung für das künftige Überleben ist eine auch am Schutz der Artenvielfalt orientierte Landnutzung.
Grauammer Die knapp starengrosse Grauammer ist ein schlichter Vogel: zwar grösser als andere Ammern, aber unauffällig und lerchenähnlich gefärbt, ohne ein im Freiland erkennbares Prachtkleid und eher eintönig singend. Sie wirkt gedrungen und lässt die Beine bei kurzen Flugstrecken gerne hängen. Dieser Steppenvogel besiedelt bei uns die weite, offene und abwechslungsreiche Kulturlandschaft. Weibchen halten sich nicht an die Reviergrenzen der Männchen, und eine eigentliche Paarbindung besteht nicht.
Graugans Der Zug der Graugänse, der im Norden sehr eindrücklich ist, hat zu zahlreichen Geschichten inspiriert, wovon «Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen» von Selma Lagerlöf wohl die berühmteste ist. Das Verhaltensinventar der Graugans wurde durch die eingehenden Untersuchungen von Konrad Lorenz bekannt. Bei ihr entdeckte er das Phänomen der Prägung eines Jungvogels auf das erste nach dem Schlüpfen erblickte Lebewesen. Die Graugans ist Stammmutter der Hausgans.
Graureier Dank seiner erstaunlichen Anpassungsfähigkeit hat sich der Graureiher in jüngster Zeit zu einem Kulturfolger entwickelt. So brütet er heute zum Beispiel als Wildvogel in verschiedenen Zoos. Bis zu Beginn des 20. Jahrhundert wurde der Graureiher als Fischfresser derart hartnäckig verfolgt, dass er als Brutvogel fast aus der Schweiz verschwunden wäre. Häufig können die grossen grauen Stelzvögel auf den Feldern bis in die Vororte hinein bei der Mäusejagd beobachtet werden, wie sie bewegungslos lauern und stets bereit sind, unvorsichtige Beutetiere blitzschnell zu schnappen.
Grauschnäpper Der Grauschnäpper hat eine unscheinbare Färbung und Stimme, weshalb er im Garten oft nicht bemerkt wird. Er sitzt gerne auf einer exponierten Warte und stürzt sich plötzlich in die Luft, um die erspähten Fliegen und anderen Fluginsekten zu erhaschen. Oft muss sich der Grauschnäpper im Flug geschickt drehen und wenden, dann schnappt sein Schnabel hörbar zu. Nur zwischen Mai und September ist dieses Schauspiel bei uns zu sehen, dann verschwinden die Vögel wieder Richtung Afrika.
Grauspecht Der Grauspecht gehört mit dem Grünspecht zu den «Erdspechten», die ihre Nahrung vorwiegend auf dem Boden suchen. Obwohl er fast so gross ist wie der Grünspecht, ist der heimlicher lebende Grauspecht ungleich schwieriger zu lokalisieren. Am ehesten verrät er sich durch die fallende, etwas melancholisch wirkende Rufreihe. Über seine Lebensweise ist vergleichsweise wenig bekannt.
Grünfink Der anpassungsfähige Grünfink hat sich dank der Ausdehnung der Siedlungsflächen und der Winterfütterung stark vermehren können und ist in weiten Teilen unseres Landes häufig anzutreffen. Neben Haussperling und Amsel ist er einer der zahlreichsten Vögel der Städte und Dörfer. Im Herbst und Winter sucht der Grünfink seine Nahrung oft zusammen mit anderen Finkenvögeln, Sperlingen und Ammern auf Stoppelfeldern und Ödlandflächen. Er ist fast ausschliesslich Vegetarier. Dank seinem kräftigen, kegelförmigen Schnabel vermag er viele Schoten, Kapseln und Früchte zu öffnen oder zu zerdrücken.
Grünspecht Der Grünspecht fällt neben dem laut lachenden Balzruf auch durch den wellenförmigen Flug auf, bei dem er die Flügel zwischen zwei Schlagphasen ganz an den Körper anlegt. Neben dem Wendehals ist er unter den Spechtarten Europas am stärksten auf Ameisen spezialisiert. Er besitzt eine mehr als 10 Zentimeter lange Zunge, die klebrig und an der Spitze mit Widerhaken versehen ist.
Habicht Der Habicht ist ein überaus wendiger und kräftiger Flieger. Beim Jagdflug fliegt er rasch beschleunigend flach über den Boden oder den Baumkronen, nützt jede Deckung wie Unebenheiten, Büsche und Bäume geschickt aus und überrascht so seine Beute. Meist lebt der Habicht eher versteckt im Wald, ausserhalb der Brutzeit ist er aber in allen Lebensräumen anzutreffen.
Halsbandschnäpper Der Halsbandschnäpper gehört zu den seltensten Brutvögeln der Schweiz und bewohnt lichte Kastanienselven auf der Alpensüdseite. Zusammen mit den italienischen Alpen liegt dieses isolierte Vorkommen am südwestlichen Rand des Areals. Der Verbreitungsschwerpunkt befindet sich in den gemässigten Breiten Osteuropas. Meist ist der Halsbandschnäpper schwierig zu beobachten, da er sich bevorzugt in der oberen Kronenhälfte von Bäumen aufhält. Hilfreich für die Entdeckung ist die Kenntnis des gedehnten, dünnen Rufs
Hänfling Im Gegensatz zu vielen anderen Vogelarten besitzt der eher unscheinbare Hänfling während der Brutzeit kein Nahrungsrevier. Er nutzt gute Nahrungsgebiete wie Mähwiesen gemeinschaftlich. Nestbesitzer verteidigen gewöhnlich einen Radius von etwa 15 Metern ums Nest, der von benachbarten Paaren gemieden wird. Das Männchen sitzt im Nestbereich gerne auffällig zuoberst auf einem Busch oder einer Geländeerhebung. So markiert es sein Nestterritorium, das es zusammen mit dem Weibchen auch gegen fremde Vogelarten verteidigt.
Haselhuhn Zu den beliebten Verhaltensweisen des Haselhuhns zählt geschicktes Versteckspiel. Dank den wunderbaren Zeichnungsmustern ist es im wechselvollen Licht des Waldbodens ausgezeichnet getarnt. Meist sind die Begegnungen für die Beobachter wie für die Vögel gleichermassen überraschend, so dass oft nur das surrende Fluggeräusch und die dunkle Schwanzendbinde als Eindruck bleiben. Wegen der heimlichenLebensweise ergeben auch Funde von Federn oder Kot und die Feststellung von Spuren wertvolle Hinweise auf das Vorkommen der Art.
Haubenlerche Die Haubenlerche ist in Mitteleuropa als Kulturfolger auf steppenähnliche Lebensräume wie Bahn- und Industrieanlagen, Strassenränder oder Randbereiche von Siedlungen angewiesen. Anfangs profitierte sie von neu entstandenen Bruthabitaten in Städten, doch mit zunehmender Verbauung und Versiegelung der bevorzugten wildkräuter- und insektenreichen Standorte verschwand die Haubenlerche wieder. Seit kein Pferdemist mehr anfällt und massiv Dünger und Biozide eingesetzt werden, ist auch ihre Nahrungsbasis stark geschmälert.
Haubenmeise An ihrem hübschen, aufrichtbaren Kopfschmuck ist die Haubenmeise leicht zu erkennen. Im dichten Nadelwald verrät sie sich meist durch ihr typisches Gürren. Bei der Balz verfolgt das Männchen das Weibchen mit eigentümlichen Flatterflügen. Um das Weibchen zu umwerben, richtet es die Haube auf, präsentiert den schwarzen Kehllatz und schlägt rasch mit den Flügeln. Gleichzeitig zeigt das Weibchen Beschwichtigungsgebärden, indem es den Kopf senkt. Regelmässig wird dem Weibchen Futter als «Hochzeitsgeschenk» übergeben.
Haubentaucher Der Haubentaucher als Charakterart auf unseren Seen ist wohl der auffälligste und bekannteste Schilfbewohner. Das Kopf-an-Kopf-Liebeswerben des Brutpaares ist ein faszinierendes Schauspiel. Wenn die beiden Partner beim Kopfschütteln abwechslungsweise einen Knicks machen, nimmt der Zwischenraum der Hälse die Form eines Herzens an. Die Balz erreicht ihren Höhepunkt, wenn die Partner abtauchen, dann Brust an Brust emporschiessen und sich gegenseitig Pflanzenteile präsentieren, die für den Nestbau geeignet sind.
Hausrotschwanz Ursprünglich war der Hausrotschwanz ein reiner Felsenbewohner, der aber als Kulturfolger von der zunehmenden Verstädterung und der Ausdehnung der Siedlungen profitierte und vermutlich im 18. und 19. Jahrhundert in unsere Städte und Dörfer vordrang. Hier ersetzen ihm Gebäude und andere Bauten die felsige Bergwelt. Er brütet auch weiterhin in Höhen bis zu 3200 m und ist unsere am weitesten verbreitete Brutvogelart. Der gepresst knirschende Gesang setzt meist lange vor Sonnenaufgang ein und ist der Auftakt für das Vogelkonzert.
Spatz Haussperling Wie keine andere Vogelart ist der Haussperling (Spatz) ein mehr oder weniger gern gesehener Begleiter des Menschen, in dessen Nähe er stets reichlich Nahrung findet. Heute brütet er überall dort, wo sich Menschen das ganze Jahr über aufhalten. Die Entwicklung des Wintertourismus hat es ihm erlaubt, auch in Bergtäler einzudringen. Der Haussperling ist sehr anpassungsfähig und erkennt rasch mögliche Futterquellen. Blitzschnell nutzt er die Gelegenheit, die Brosamen der Gäste im Gartenrestaurant zu ergattern, ans Hühnerfutter zu kommen oder in Lagerhallen zu schlüpfen. Kam es früher noch zu behördlich angeordneten Vergiftungsaktionen von Haussperlingen, ist heute ein regional starker Rückgang erkennbar. Das ist ein alarmierendes Zeichen für die sich verschlechternden Umweltbedingungen auch von «Allerweltsarten».
Heckenbraunelle Die Heckenbraunelle ist die «graue Maus» unter den einheimischen Singvögeln. Zwar ist sie von den Niederungen bis zur Baumgrenze weit verbreitet und gebietsweise auch häufig, doch lebt sie sehr unauffällig. Sie ist graubraun gefärbt und erinnert an einen Haussperling, hat aber den typischen, feinen Schnabel eines Insektenfressers. Männchen und Weibchen haben voneinander unabhängige, sich überlagernde Reviere. Das Paarungssystem ist flexibel, es kann Monogamie, Polyandrie, Polygynie und Polygynandrie umfassen.
Heidelerche Der flötende Gesang der Heidelerche gehört zu den schönsten der Vogelwelt und ist tagsüber wie auch nachts zu hören. Die trillernd oder melancholisch klingenden, zum Schluss hin abfallenden Strophen haben der Heidelerche ihren wissenschaftlichen Gattungsnamen Lullula und den französischen Namen «Alouette lulu» eingebracht. Ihre bevorzugten offenen, eher trockenen und mit lückiger Vegetation versehenen Lebensräume sind rar geworden, und vielerorts ist ihr Gesang bereits verstummt.
Herningsmöwe Die Heringsmöwe zeichnet sich durch ihre starke Variation in der Oberseitenfärbung und im Zugverhalten aus: Westeuropäische Vögel, oberseits schiefergrau gefärbt, sind Teilzieher. Dagegen haben baltische und finnische Möwen, deren Brutgebiet bis über den Polarkreis reicht, eine fast schwarze Oberseite. Sie sind Langstreckenzieher und gelangen im Winter südwärts bis an die Küsten des Arabischen Meers und nach Ostafrika. Auf dem Zug und im Winter tritt die Heringsmöwe regelmässig im europäischen Binnenland auf.
Höckerschwan Das Verbreitungsgebiet des Höckerschwans beschränkte sich ursprünglich auf Nordosteuropa und Teile Asiens. Schon im Mittelalter waren die majestätischen Schwäne beliebte Zier- und Parkvögel. So siedelte Louis XIV. Schwäne auf der Seine an, und Napoleon erliess Weisungen zu ihrem Schutz. Von den Schloss- und Parkweihern breiteten sich die Höckerschwäne vor allem im 20. Jahrhundert rasch aus. Die Paare leben oft in Dauerehe zusammen. Bekannt ist ihr geräuschvoller Flug, ihre Drohstellung mit dem S-förmig gebogenen Hals und ihr Balzspiel. Das Nest und ihre Jungen verteidigen sie nötigenfalls mit kräftigen Flügelhieben.
Hohltaube Die Hohltaube ist ein unauffälliger Vogel und kommt nirgends in grösserer Dichte vor. Wie der Name verrät, brütet sie in Baumhöhlen in Wäldern und Feldgehölzen, vorzugsweise in alten Schwarzspechtlöchern. Ihre Nahrung sucht sie in der offenen Landschaft. Neben dem recht eintönigen Gesang ist auch die Färbung bis auf den grün und weinrot schimmernden Halsfleck wenig auffällig.
Italiensperling Der Italiensperling ist dem Haussperling in vielerlei Hinsicht ähnlich und wurde früher als dessen Unterart betrachtet. In der Schweiz beschränkt sich sein Vorkommen auf das Tessin und die Südtäler Graubündens. Lokal ist er auch im Wallis anzutreffen. Im Alpenbogen, wo die Arealgrenzen von Haus- und Italiensperling zusammenstossen, kommt es zu einer breiten Mischzone der beiden Arten, wo fruchtbare Hybriden auftreten. Es kann also durchaus lohnenswert sein, die Spatzen in der Südschweiz genauer anzusehen und dabei besonders auf die zwischen grau und kastanienbraun variierende Scheitelfärbung zu achten.
Kernbeisser Der fast starengrosse Kernbeisser ist ein Charaktervogel der Laubwälder und zeichnet sich durch seinen dicken, hohen Kegelschnabel aus. Mit diesem entwickelt er beim Zubeissen eine gewaltige Kraft und kann sehr harte Samen und Nüsse wie Kirschkerne und Hagebuchensamen knacken. Diese Leistung ist für den etwa 50-60 Gramm schweren Kernbeisser erstaunlich. Experimente haben nämlich gezeigt, dass für das Öffnen eines Kirschkerns ein Druck von rund 40 Kilogramm nötig ist.
Kiebitz Der Kiebitz ist wohl die bekannteste Limikolenart und einer der auffälligsten Bewohner offener Landschaften. Er ist dank seiner Silhouette mit der einzigartigen, langen Federholle, dem violetten Glanz der dunklen Gefiederpartien und seiner Stimme unverkennbar. Den Rufen verdankt er seinen deutschen Namen. Besonders die Männchen sind bei ihren akrobatischen Balzkapriolen sehr stimmfreudig.
Klappergrasmücke Die Klappergrasmücke ist eine östliche Art; unser Land liegt nahe am Westrand ihres Brutgebiets. Sie ist bei uns vor allem in den Voralpen und Alpen verbreitet. Nach ihrer Ankunft im April oder Mai verrät sich diese rastlose und geschickt durch das Geäst hüpfende Grasmücke am ehesten durch ihren Gesang. Das eintönige Klappern ist weithin hörbar und hat ihr den deutschen Artnamen eingebracht. Das Männchen versucht, ein im Revier erscheinendes Weibchen durch Vorausfliegen zu einem Wahlnest zu locken.
Kleiber Seinen Namen verdankt der Kleiber der angeborenen Fähigkeit, den Eingang seiner Bruthöhle bis auf die passende Grösse mit Lehm zu verkleben. Dadurch hält er sich grössere und unliebsame Nistplatzkonkurrenten wie den Star vom Leib. Samen klemmt er in Baumrindenritzen und spaltet sie, indem er mit seinem starken, spitzen Schnabel wie mit einem Beil auf sie einhackt. Im Gegensatz zu Baumläufern und Spechten benutzt der Kleiber den Schwanz beim Klettern nicht. Er hält sich allein mit seinen kräftigen Füssen und Zehen fest.
Kleinspecht Der Kleinspecht ist der Zwerg unter den europäischen Spechten. Er macht sich im Frühjahr mit hohen Rufreihen und gleichmässigen Trommelwirbeln bemerkbar. Zur Balzzeit im Frühjahr vollführt das Männchen Schauflüge mit ausgebreiteten Flügeln von einem Baum zum nächsten - dorthin, wo das Weibchen sitzt. Kletternd nähert es sich seiner Partnerin mit gefächerten Schwingen. Bei der Nahrungssuche bevorzugt der flinke Kleinspecht den Kronenbereich, wo er oft dürre Äste nach Insekten und Larven absucht.
Kohlmeise Die Kohlmeise besiedelt dank grosser Flexibilität unterschiedliche Lebensräume und gehört zu unseren häufigsten Brutvögeln. Sie zeigt eine hohe Lernfähigkeit und kann auch kurzzeitig ergiebige Nahrungsquellen nutzen. Bereits im tiefen Winter ist ihr Gesang zu hören. Was bei uns Frühlingsgefühle weckt, ist für die singenden Meisenmännchen ein harter Kampf um gute, nahrungsreiche Reviere und um eine Partnerin. Diesen Wettstreit gewinnt nur, wer mit wohlklingenden Strophen und einem grossen Gesangsrepertoire imponieren kann.
Kolkrabe Kolkraben sind die grössten Singvögel. Sie können über weite Strecken gleiten und in Aufwinden ohne Flügelschlag kreisen. Vor allem im Frühjahr trudeln sie paarweise hoch in der Luft, schliessen die Flügel halb, rollen sich seitwärts ab und stürzen atemberaubend schnell in die Tiefe. Sie bringen es fertig, kurze Strecken mit dem Rücken nach unten zu fliegen. Die Paare leben in einer Dauerehe und festigen den Zusammenhalt durch Kraulen, Füttern oder Gefiederpflege. Weil der Kolkrabe auch schwaches Jungwild überwältigen kann, galt er lange Zeit als Schädling und wurde stark verfolgt. Heute ist bekannt, dass er ein wichtiger Gesundheitspolizist ist, da er sich überwiegend von Aas ernährt.

Kormoran

Mit seinen zum Trocknen ausgebreiteten Flügeln fällt der Kormoran sofort auf, ebenso wenn die grossen Schwärme im Herbst auf unseren Seen einfallen. Dank dem Schutz der Brutkolonien im Norden hat der Winterbestand in der Schweiz auffallend zugenommen. Die perfekten Taucher fischen oft gemeinsam. Dies garantiert einen höheren Jagderfolg
Kranich Grosse Kranichscharen finden sich vor dem Abzug in die Brut- bzw. Winterquartiere an traditionellen Sammelplätzen an der Ostseeküste ein. Hier kommt es zu einem begeisternden Naturschauspiel, wenn die Luft von den nasalen Trompetenrufen unzähliger Vögel erfüllt ist. Vor allem im Frühjahr führen ganze Trupps ihre spektakulären Balztänze auf. Weil Kraniche schmalen Zugstrassen folgen und die Schweiz ausserhalb dieser Routen liegt, sind die Vögel bei uns nur in kleiner Zahl zu bewundern.
Krickente Die Krickente ist die kleinste Ente Europas und im Flug die wendigste. Die Vögel erheben sich federleicht aus dem Wasser und können nahezu senkrecht auffliegen. Die hellen «krrik»-Rufe der stimmfreudigen Erpel verhalfen dieser Art zu ihrem deutschen Namen. Damit geben die Vögel auch Alarm. Krickenten sind in einem Ententrupp oft die ersten, die bei unsicherer Situation das Weite suchen.
Kuckuck Als einziger unserer Brutvögel ist der Kuckuck ein Brutschmarotzer und überlässt die Jungenaufzucht kleineren Singvögeln. Damit sie seine Eier und Jungen akzeptieren, haben sich zahlreiche raffinierte Anpassungen entwickelt. Nach der Brutperiode ziehen die Jungkuckucke allein und ohne jegliche Hilfe in das Winterquartier - ein bemerkenswertes Beispiel für den angeborenen Orientierungssinn der Vögel.
Lachmöwe Lachmöwen sind im Winter regelmässige Gäste an unseren Seen und können manch grauen Wintertag erhellen. Nicht wegzudenken sind ihre akrobatischen und geschickten Flüge, mit denen sie blitzschnell das den Enten zugeworfene Brot noch in der Luft wegschnappen. Auch sonst fällt für die Nahrungsopportunisten in Siedlungsnähe vieles ab. Die Lachmöwe erhielt ihren deutschen Namen entweder wegen ihres «kichernden» oder «lachenden» Rufs, der ihr auch den französischen und wissenschaftlichen Namen gab, oder nach den flachen Binnengewässern (Lachen oder Pfützen), an denen sich die Vögel gerne einfinden.
Lachseeschwalbe Die kräftig gebaute, recht kurzschwänzige und langbeinige Lachseeschwalbe erhielt ihren deutschen Artnamen von ihrem höhnisch lachenden Alarmruf. Im Gegensatz zu anderen Seeschwalben sucht sie nur selten stosstauchend nach Nahrung, sondern fängt ihre Beute in der Luft oder nimmt sie direkt vom Boden oder von der Wasseroberfläche auf.
Löffelente Die Löffelente ist ein ausgeprägter Nahrungsspezialist: Sie besitzt einen grossen, löffelförmig ausgebildeten Schnabel mit einem speziellen Filterapparat. Dank den dichten Lamellen an den Schnabelseiten können kleine Nahrungspartikel herausgefiltert werden. Dazu schwimmen Löffelenten in Flachwasserzonen in geduckter Haltung langsam vorwärts und durchseihen die Wasseroberfläche.
Mandarinente Die Mandarinente stammt ursprünglich aus einem kleinen Areal in Ostasien. Die farbenprächtigen Männchen mit den auffälligen orangen Schmuckfedern sind wie kaum eine andere Ente zum Ziervogel prädestiniert. Die Art wurde schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Europa eingeführt und vor allem auf Parkteichen gehalten. Mittlerweile hat sie sich in verschiedenen Regionen angesiedelt. Sie brütet in Höhlen in Laubbäumen, stellenweise nimmt sie auch Nistkästen an.
Mauerläufer Wer einen Mauerläufer entdeckt, der flatternd an einer Felswand emporklettert, ist von seiner Schönheit entzückt. Mit dem ruckartigen Spreizen der karminrot aufleuchtenden breiten Flügel gleicht er einem Schmetterling. Dieser Felsbewohner gewinnt noch an Reiz, weil er sich nur an schwer zugänglichen Stellen aufhält und Bergsteigern vertrauter ist als den meisten Feldornithologen.
Mauersegler Kaum ein Vogel ist besser an das Leben in der Luft angepasst als der Mauersegler. Der ausgezeichnete Flugjäger sieht einer Schwalbe ähnlich, fliegt aber rasanter. Im Flug schläft er und paart sich auch. Bei den abends aufsteigenden Mauerseglern dachte man früher, dass sie in der Dunkelheit zurückkehrten oder die Nacht auf dem Mond verbrächten. Der Baselbieter Ornithologe Emil Weitnauer studierte das Nachtleben der «Spyren» bis in alle Einzelheiten, zuerst per Ballon und Flugzeug und mit starken Scheinwerfern, später mit Radartechnik.
Mäusebussard Mit den ersten Frühlingstagen kreist der Mäusebussard über seinem Revier und lässt die bekannten, miauenden Rufe ertönen. Mit eindrucksvollen Flugspielen wirbt das Männchen um die Gunst einer Partnerin. Krähen verfolgen den Mäusebussard argwöhnisch und versuchen hartnäckig, ihn aus ihren Revieren zu vertreiben. Im Winter erhalten unsere Brutvögel Zuzug von nordöstlichen Wintergästen. Bei starken Wintereinbrüchen kommt es oft zu spektakulären Fluchtbewegungen Richtung Südwesten
Mehlschwalbe Als Gebäudebrüterin hat die Mehlschwalbe zunehmend Probleme, geeignete Nistplätze zu finden - trotz der steten Zunahme des Siedlungsraums. Leider werden Nester oft mutwillig zerstört, da der Kot dieser Insektenvertilger Hausfassade und Boden verschmutzen kann. Mit etwas gutem Willen lassen sich akzeptable Lösungen finden, so indem Kunstnester nur an problemlosen Stellen angebracht werden.

Misteldrossel

Die Misteldrossel verdankt ihren Namen der Vorliebe für die klebrigen Beeren der Mistel. Diese halbparasitisch lebende Pflanze wird hauptsächlich durch Vögel verbreitet. Die Misteldrosseln fressen das Fruchtfleisch der Mistel und streifen die klebrigen Samen an einem Ast ab. Oder sie schlucken die Früchte ganz und scheiden die Samen mit ihrem Kot auf einem entfernten Baum wieder aus. Im Winter kann die Drossel Misteln und Beeren tragende Bäume vehement verteidigen.
Mittelmeermöve Die einzige in der Schweiz brütende Grossmöwe war nach der Abtrennung von der Silbermöwe längere Zeit als «Weisskopfmöwe» bekannt, mittlerweile heisst sie Mittelmeermöwe. Dies, weil die Weisskopfmöwe in die beiden Arten Mittelmeer- und Steppenmöwe aufgespalten wurde, da sich deren Genom gemäss neuen Untersuchungen deutlich unterscheidet. In den Sechzigerjahren begann die Mittelmeermöwe die Schweiz zu besiedeln. Die Zahl der Kolonien und der Brutpaare ist stark angewachsen und die Art entwickelt sich bis zu einem gewissen Grad zum Zivilisationsfolger.
Mittelspecht Der Mittelspecht ist ein Habitatspezialist, der bei uns hauptsächlich ehemalige Mittelwälder mit zahlreichen Alteichen besiedelt. Der Bestand ist gefährdet und langfristig wird er sich nur halten können, wenn grossflächige Wälder mit der Eiche als Hauptbaumart bestehen bleiben. Im Gegensatz zu anderen Spechten trommelt der Mittelspecht nur sehr selten. Stattdessen ist in der Brutzeit das klagende Quäken zu hören, womit der Mittelspecht sein Revier markiert. Sein kurzer, recht schwacher Schnabel ist eher zum Stochern als zum Hacken geeignet.
Mönchsgrasmücke Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit sieht die Mönchsgrasmücke einer günstigen Zukunft entgegen. Sie gehört bei uns zu den häufigsten Brutvögeln und bereichert mit ihren klaren, volltönenden Flötenstrophen sogar gebüschreiche Parks und Gärten in Grossstädten. Die Art ist ein beliebtes Studienobjekt für die Vogelzugforschung, denn seit einigen Jahrzehnten hat sich bei einem Teil der Brutvögel eine neue Wegzugstrategie nach Nordwesten in Richtung der Nordsee und auf die Britischen Inseln etabliert.
Mönchsmeise Bei der Mönchsmeise kommen in den verschiedenen Landesteilen zwei Gesangsformen vor: Die «Alpenmeise» lebt in Bergwäldern, die «Weidenmeise» im Jura und im Mittelland. Beide können im Feld praktisch nur an ihrem Gesang unterschieden werden. Wie die Haubenmeise zimmert die Mönchsmeise ihre Bruthöhle meist selber in morsches Holz und begnügt sich dabei schon mit relativ dünnen Stämmen. Sie ist Standvogel und erscheint nur gelegentlich abseits der Brutgebiete.
Nachtigall Der kunst- und klangvolle Gesang der Nachtigall kommt am besten zur Geltung, wenn die Männchen in der nächtlichen Stille um die Wette singen. Sie locken damit Weibchen an, die mehrere Tage nach den Männchen aus den afrikanischen Winterquartieren zurückkehren. Nach der Verpaarung singen die Männchen nur noch tagsüber, vor allem um ihr Revier zu verteidigen. Die Nachtigall lebt heimlich und ist trotz des auffälligen Gesangs nicht einfach zu entdecken. Menschen waren wohl schon immer von ihrem Gesang fasziniert. Doch mancherorts sind die Nächte gezählt, in denen der Nachtigallengesang einem den Schlaf raubt.
Neuentöter Der Neuntöter ist die einzige Würgerart, die ihren Bestand bei uns halbwegs halten konnte. Allerdings ist der Bewohner niedriger Dornhecken und der extensiv genutzten Kulturlandschaft im Mittelland heute viel seltener als früher. Er spiesst Beutetiere oft an Dornen oder spitzen Seitenästen auf, um sie zu bearbeiten und zu zerteilen oder als Vorrat zu halten. Seinen Namen soll der Neuntöter dieser Eigenart verdanken: Man hat früher irrtümlicherweise angenommen, dass er immer erst neun Tiere aufspiesst, bevor er wieder eines verzehrt.
Nilgans Die Nilgans stammt ursprünglich aus Afrika, wo sie an nahrungsreichen subtropischen Binnenseen und Flüssen vorkommt. Diese Art wurde als Ziervogel im 18. Jahrhundert in Europa eingeführt. Gefangenschaftsflüchtlinge begründeten schon bald freilebende Populationen. Ausgehend von einer in den 1970er Jahren in den Niederlanden und Belgien gebildeten Population breitete sich die Nilgans rasant dem Rhein und seinen Nebenflüssen entlang aus und hat inzwischen auch die Schweiz erreicht. Seit 2003 hat die Art alljährlich an Schweizer Gewässern gebrütet.
Orpheusspötter  Der Orpheusspötter ist das mediterrane Pendant zum Gelbspötter. Er besiedelt West- und Südwesteuropa sowie Nordwestafrika. Seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dehnt er sein Areal Richtung Nordosten aus und brütet seit 1960 auch in der Schweiz.
Pfeifente Die Pfeifente verdankt ihren Namen den kennzeichnenden, lauten und melodischen Glissandopfiffen der Männchen, die ganzjährig zu hören sind. Die Vögel treten in der Schweiz fast ausschliesslich im Winterhalbjahr auf und sind in Wassernähe auch an Land anzutreffen, wo sie nach Gänseart auf Grünflächen weiden
Pfuhlschnepfe Die der Uferschnepfe ähnliche Pfuhlschnepfe brütet in der Arktis und im Norden der Waldzone von Eurasien bis Westalaska. Im Wattenmeer tritt sie als häufiger Durchzügler und Wintergast in Scharen von Zehntausenden auf. Im Binnenland ist sie dagegen recht selten und nur in kleinen Trupps zu bewundern. Anders als die Uferschnepfe ist die Pfuhlschnepfe hier im Herbst häufiger als im Frühling.

Pirol

Die nächsten Verwandten des exotisch aussehenden Pirols leben in den Tropen in Afrika und Asien. Trotz seines auffälligen gelbschwarzen Gefieders ist er in den lichtdurchfluteten Baumkronen wegen seiner versteckten Lebensweise nicht leicht zu entdecken. Am einfachsten ist er anhand des wohlklingenden Gesangs nachzuweisen. Den Flötenrufen verdankt der Pirol neben dem deutschen Artnamen und der wissenschaftlichen Bezeichnung Oriolus auch den französischen Namen «Loriot». Oft wird der Gesang allerdings vom Star treffend ähnlich nachgeahmt. Der Pirol hält sich im eigentlichen Brutgebiet nur drei Monate auf, bevor er wieder in die Winterquartiere aufbricht.
Raben Nebelkrähe Die Aaskrähe tritt bei uns in zwei leicht unterscheidbaren Formen auf: Rabenkrähe und Nebelkrähe. Bei dieser Art heisst das Erfolgsrezept nicht Spezialisation, sondern Anpassungs- und Lernfähigkeit. Krähen sind als Allesfresser die Hauptgewinner der heutigen Entwicklung in der Landwirtschaft. Der für Silage übliche, fast gleichzeitige Schnitt grosser Flächen macht Krähen dank guter Flug- und Laufeigenschaften sowie gemeinschaftlicher Nutzung des Nahrungsangebots gegenüber anderen Vögeln der Agrarlandschaft überlegen. Als Nesträuber und Schädling wird die Krähe schon lange verfolgt. Aus ökologischer Sicht gibt es dafür allerdings keine stichhaltigen Gründe. Trotz aller Nachstellungen konnte der Bestand nirgends stark dezimiert werden. Besonders Nichtbrüterschwärme können an landwirtschaftlichen Kulturen Schäden anrichten. Andererseits sind Krähen auch sehr nützlich, denn sie vertilgen gerade zur Brutzeit zahllose Mäuse und Schnecken.
Rauchschwalbe Im Sprichwort «Eine Rauchschwalbe macht noch keinen Sommer» hat sich die Beobachtung niedergeschlagen, dass einzelne Rauchschwalben bereits ab Mitte März aus den afrikanischen Winterquartieren zurückkehren. In grösserer Zahl kommen sie erst ab Mitte April an, wenn der Sommer vor der Tür steht. Die Rauchschwalbe lebt seit Jahrhunderten in engster Nachbarschaft mit dem Menschen und gilt als Frühlings- und Glücksbringerin. Sie brütet meist in Ställen und Scheunen und ist eine wahre Baumeisterin. Für ein Nest werden etwa 750-1400 Erdklümpchen benötigt. Die zu ihrer Beschaffung zurückgelegte Wegstrecke wurde auf rund 220 Kilometer berechnet.
Raufusskauz Der Raufusskauz besiedelt in Mitteleuropa hauptsächlich kühle Waldgebiete. Das dürfte mit ein Grund sein, dass die Lebensweise dieser kleinen Eule mit dem erstaunten Gesichtsausdruck lange im Verborgenen blieb. Die nachtaktiven Vögel aufzuspüren ist nicht einfach, denn die Gesangsintensität ist im Spätwinter und Vorfrühling am grössten, wenn in den Brutgebieten noch viel Schnee liegt.
Rebhuhn Das Rebhuhn verdankt seinen Namen den scharfen, kurzen Rufen beim Auffliegen, die wie «reb-reb-reb» tönen. Der ursprüngliche Steppenbewohner war bei uns einst ein Charaktervogel offener, eher trockener Ackerbaugebiete. Mit der Intensivierung und Mechanisierung der Landwirtschaft blieb immer weniger Platz für das Rebhuhn, und nach einer starken Abnahme sind die natürlichen Vorkommen so gut wie erloschen. Die Vögel sind mit ihrem Tarngefieder meist schwierig zu entdecken
Regenbrachvogel Zu den Zugzeiten ist an unseren Gewässern manchmal ein heller, flötender Triller zu hören, der an ein wieherndes Pferd oder ein Kuckuckweibchen erinnert: Er stammt vom Regenbrachvogel, der kleineren und kurzschnäbligeren Ausgabe des Grossen Brachvogels. Im Herbst verweilen Durchzügler oft nur kurz, die meisten ziehen von Skandinavien und Sibirien zügig an die afrikanische Westküste.
Reihente Wer hat nicht schon den Reiherenten mit dem typischen Federschopf zugesehen, wie sie, ohne nass zu werden, unter Wasser Nahrung suchen und wie ein Korkenzapfen wieder auftauchen? Besonders in Häfen oder von Brücken aus lässt sich dieses Verhalten aus nächster Nähe beobachten, vor allem bei Vögeln, die fast keine Scheu mehr zeigen. Die Reiherente ist heute im Winter die häufigste Entenart auf unseren Gewässern und hat stark von der Einwanderung der Wandermuschel profitiert, von der sie sich mit Vorliebe ernährt.
Ringdrossel Die Ringdrossel ist ein typischer Bergvogel im Jura und in den Alpen. Sie bezieht ihre Reviere, sobald apere Stellen vorhanden sind. Morgens beginnen die Männchen bei völliger Dunkelheit zu singen, meist vor den anderen Drosselarten. Ausgiebige Schneefälle im Frühjahr können die Vögel gelegentlich in tiefere Lagen treiben, wo sie dann einige Tage ausharren. Bemerkenswert ist, dass nordische Durchzügler in grosser Zahl fast unbemerkt unser Land durchqueren, um in ihre Winterquartiere in Nordwestafrika zu gelangen. Unsere Wahrnehmung des sichtbaren Vogelzugs stimmt dann nicht ganz mit der Realität überein.
Ringeltaube Die Ringeltaube ist die grösste und häufigste bei uns vorkommende Taubenart. Auf ihrem Zug meiden die Vögel die Alpen grösstenteils und fliegen deshalb vorwiegend dem Jura entlang und durchs Mittelland. An gewissen Stellen konzentriert sich der Taubenzug, so dass hier im Oktober oft riesige Verbände beobachtet werden können. In ganz Europa sind Ringeltauben eine begehrte Jagdbeute. Auch Wanderfalke und Habicht versuchen oft in rasanten Jagdflügen, ein Tier aus den grossen, dicht fliegenden Trupps zu erbeuten.
Rohrammer Die Rohrammer als Charakterart der Feuchtgebiete macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn das Männchen von einem hohen Schilfhalm aus seinen einfachen Gesang vorträgt. Um die Aufmerksamkeit von Eindringlingen vom Nest abzulenken, schleppen sich die Brutvögel wie flügellahm über den Boden - eine Finte, die kleine, auf erhöhten Warten sitzende Vögel gewöhnlich nicht anwenden.
Rohrdommel Die Rohrdommel ist unverkennbar - wenn sie zu sehen ist, denn sie ist hervorragend an das Leben im Schilf angepasst. Ihr Gefieder ist gelb- und goldbraun mit oberseits schwarzen Abzeichen und dunkler Längsstreifung. Dadurch wirkt sie «schilfig» und ist im Röhricht trotz ihrer Grösse gut getarnt. Die Bewegungen sind sehr bedächtig und verraten selbst eine am Schilfrand stehende Rohrdommel kaum. Bei Beunruhigung nehmen die Vögel die «Pfahlstellung» ein, wobei sie den Hals strecken und den Schnabel gegen den Himmel richten. Einzig im Frühjahr machen die Männchen in den Brutgebieten lautstark mit ihrem tiefen, dröhnenden Reviergesang auf sich aufmerksam.
Rohrschwirl Im 20. Jahrhundert hat der Rohrschwirl sein Areal weit westwärts ausgedehnt und dabei auch die Schweiz erreicht. Der Ausbreitung sind wegen hoher Lebensraumansprüche enge Grenzen gesetzt, und heute sind bei uns alle geeigneten Altschilfflächen besiedelt. Etwa 90 Prozent des hiesigen Bestands brüten in der Grande Cariçaie am Neuenburgersee. Dies veranschaulicht die enorme Bedeutung dieses Gebiets. Am ehesten verrät sich der unscheinbar gefärbte Rohrschwirl durch seinen Gesang, ein insektenartiges Schwirren.
Rohrweihe Der gaukelnde, leichte Jagdflug mit V-förmig nach oben gehaltenen Flügeln zeichnet die Rohrweihe aus. Sie sucht mit vielen Schleifen und in geringer Höhe ausgedehnte Schilfgebiete und Verlandungszonen sowie Ödland und extensiv genutztes Kulturland ab. Die Beute wird gewöhnlich unter geschickter Ausnutzung aller Gelände- und Vegetationsstrukturen am Boden überrascht.
Rostgans Die Rostgans bewohnt die Steppen und Halbwüsten Asiens und Nordafrikas. Seit den Sechzigerjahren wird dieser beliebte Ziervogel in der Schweiz zunehmend in freier Natur beobachtet. Dabei handelt es sich mit grösster Wahrscheinlichkeit um verwilderte Gefangenschaftsflüchtlinge. Inzwischen nimmt die Rostgans immer mehr zu und breitet sich aus. Für die einheimischen Wasservögel bleibt das nicht ohne Auswirkungen, denn die Rostgans verhält sich in der Brutzeit sehr aggressiv.
Rötelschwalbe Besonders im Frühjahr erscheint die Rötelschwalbe, vorwiegend in grossen Rauchschwalbentrupps versteckt, weit nördlich ihrer Brutgebiete im Mittelmeerraum. Sie wird in der Schweiz meist nach einer Schlechtwetterperiode mit starker Südwestströmung entdeckt. Rötelschwalben wirken im Flug gemächlicher als die ähnlichen Rauchschwalben und segeln häufig, indem sie Aufwinde nutzen. Derzeit findet in Südeuropa eine Arealausdehnung nach Norden statt.
Rotkelchen Das Rotkehlchen ist einer der häufigsten Brutvögel. Oft ertönt sein Gesang noch in der späten Dämmerung oder sogar nachts. Die namensgebende orangerote Färbung von Gesicht, Kehle und Brust fehlt im Jugendkleid noch. Statt dessen ist das Gefieder grob gefleckt. Erst in der Jugendmauser entwickelt sich die vertraute Färbung. Menschen gegenüber sind Rotkehlchen oft sehr zutraulich und kommen bei Gartenarbeiten neugierig heran, um zutage geförderte Bodentiere zu erhaschen. Untereinander sind Rotkehlchen aber zänkisch und unverträglich. Männchen und Weibchen etablieren auch im Winter feste Reviere.
Rotkehlpieper Rotkehlpieper zählen dank der ziegelroten Färbung der Kehle zu den buntesten Vertretern der Pieper. Sie brüten vor allem in der arktischen Tundra und den Fjällflächen, wo sie zu den häufigsten Vogelarten gehören. Das Hauptwinterquartier liegt am Südrand der Sahara und in Ostafrika gut 10 000 Kilometer vom Brutgebiet entfernt. Bei uns zieht der Rotkehlpieper nur in geringer Zahl durch.
Rotmilan Der Rotmilan ist nach Bartgeier und Steinadler der drittgrösste einheimische Greifvogel. Die Vögel können stundenlang auf ihren schmalen, langen Flügeln kreisen und steuern dabei unablässig mit dem langen Gabelschwanz. Zur Balzzeit vollführen die Paare richtige Kunstflüge und äussern häufig ein wieherndes Trillern. Der Rotmilan hat sich bei uns in den letzten Jahrzehnten deutlich ausbreiten können. Der Schweizer Brutbestand ist zunehmend von internationaler Bedeutung, denn in vielen Regionen Europas sind die Vorkommen rückläufig.
Saatkrähe Saatkrähen sind sehr gesellige Vögel. Sie leben in Dauerehe, nisten in Kolonien und suchen ihre Nahrung in Trupps gemeinsam. Nur die nächste Nestumgebung wird verteidigt. Ist ein Nachbarnest unbewacht, werden häufig Zweige für das eigene Nest entwendet. Sind vorübergehend mehrere Nester unbesetzt, können richtige Plünderorgien ausbrechen. In den Kolonien geht es oft sehr lärmig zu und her. Das birgt Konfliktstoff, zumal viele Saatkrähen in Wohnquartieren, Stadt- und Spitalparks nisten. Wer aber dem Treiben in einer Kolonie länger zuschaut, wird bei diesen intelligenten Tieren bald auch Faszinierendes wie die akrobatischen Flugspiele entdecken.
Schafstelze Die Schafstelze ist im ganzen Land ein häufiger Durchzügler, der gerne bei Viehherden und in Feuchtgebieten rastet. In Trupps lassen sich mehr oder weniger deutliche Färbungsunterschiede in der Kopfzeichnung der Männchen erkennen. Die grosse geografische Variation der Art ermöglicht es teilweise, die Männchen verschiedenen Unterarten zuzuordnen und damit auf ihre Herkunft zu schliessen. Die Schafstelze brütete früher hauptsächlich in Riedwiesen, stellte sich aber in jüngerer Zeit teilweise auf das Kulturland um.
Schellente Schellenten verdanken ihren Namen dem pfeifenden und wie ein Klingeln («Schellen») tönenden Fluggeräusch. Im Mittwinter erreicht die Balz der Männchen ihren Höhepunkt und es bilden sich Balzgruppen. Die Männchen werfen bei der Balz den Kopf auf den Rücken. Manchmal treten sie dabei mit beiden Beinen gleichzeitig so heftig nach, dass das Wasser spritzt. Danach strecken sie den Hals sehr rasch mit aufwärts gerichtetem Schnabel. Reagiert ein Weibchen auf diese Balzbewegungen, fordert es das Männchen zur Paarung auf.
Schilfrohrsänger Der Schilfrohrsänger ist im Vergleich zu den meisten anderen Rohrsängern fast «bunt» gezeichnet. Das Männchen singt auf erhöhten Sitzwarten oder im Singflug. Dabei fliegt es nach der Aufstiegsphase wie ein Schmetterling mit weit gespreiztem Schwanz und ausgebreiteten Flügeln einige Sekunden lang, um dann abwärts zu gleiten. Frühjahrsdurchzügler singen oft ausdauernd und erwecken so Brutverdacht. Doch nur wenn sie auch im Juni angetroffen werden, ist eine Brut wahrscheinlich.
Schleiereule Die weissen Gefiederpartien, der herzförmige Gesichtsschleier, die rein nächtliche Lebensweise und das seltsam anmutende Zischen und Schnarchen im Dachstuhl haben zu zahlreichen abergläubischen Vorstellungen über die Schleiereule geführt. Sie verlässt sich bei der Jagd nicht nur auf ihren Gesichtssinn, sondern kann in stockfinsterer Nacht ihre Beute beim leisesten Geräusch perfekt nach dem Gehör orten. Zielsicher und gespenstisch-lautlos fliegt die Schleiereule selbst durch komplizierte Balkenkonstruktionen. Je nach Mäuseangebot und Härte des Winterwetters schwankt die Bestandsdichte von Jahr zu Jahr stark.
Schnatterente Im Gegensatz zu den meisten europäischen Entenarten, bei denen die Männchen farbenfroh gefärbt sind, ist das Kleid der Schnatterentenmännchen unauffällig. Die Balz beginnt bereits im Spätsommer und im Herbst sind die meisten Weibchen wieder verpaart. Die Vögel schmarotzen oft bei Blässhühnern und Kolbenenten, indem sie ihnen die vom Seegrund heraufgeholten Wasserpflanzen abjagen.
Schneeammer Die Schneeammer dringt noch etwas weiter in die Hocharktis vor als die Spornammer. In der Brutzeit besiedelt sie karge Landschaften und bewohnt selbst die Lava- und Steinwüsten in Island sowie die von Gletschereis umschlossenen, weitgehend vegetationslosen Gipfel Spitzbergens, Islands und Grönlands. Kältehart und als Streckenflieger leistungsfähig wird sie öfter als jede andere Vogelart über dem Inlandeisschild Grönlands angetroffen. Auch Forschungsstationen nahe des Nordpols erhalten ab und zu Schneeammerbesuch.
Schneesperling Der Schneesperling ist hart im Nehmen. Selbst bei sehr rauem Winterwetter weicht er kaum in Lagen unter 1500 m aus. Diese Standfestigkeit wird dem Schneesperling heutzutage durch hoch gelegene Tourismuseinrichtungen und Bergrestaurants erleichtert, wo er von den Speiseresten angezogen wird und recht zutraulich ist. Er entwickelt sich immer mehr zum Kulturfolger. Die Brutzeit leitet das Männchen mit spiralig gleitenden Singflügen ein, wobei die entfalteten weissen Flügel auffallen. Einen geeigneten Nistplatz preist das Männchen in Sperlingsmanier durch Einschlüpfen in die Höhle, Singen im Innern und häufiges Herausschauen an.
Schwanzmeise Die Schwanzmeise zählt zu den kleinsten Vogelarten, scheint allerdings durch den langen Schwanz und das aufgeplusterte Gefieder grösser. Die Vögel sind sozial, leben fast ganzjährig in Gruppen und nächtigen in Schlafgemeinschaften. Ein lauter Reviergesang fehlt bei der Schwanzmeise. Bruthelfer können sich an der Nestverteidigung und beim Füttern der Jungen beteiligen. Die fast ständig geäusserten, hohen Rufe verraten die kleinen, rastlosen Turner im Gezweig meist schon, bevor sie zu sehen sind. Schwanzmeisen klettern dank dem geringen Gewicht und dem langen, zum Balancieren eingesetzten Schwanz geschickt bis zu den äussersten Zweigspitzen.
Schwarzkelchen Das farbenprächtige Schwarzkehlchen ist ein auffälliger Vogel, wenn es in aufrechter Haltung auf einer Buschspitze sitzt, hektisch mit den Flügeln zuckt und mit hart kratzenden Rufen warnt. Es brütet bevorzugt in Ödland- und Brachflächen mit eingestreuten Büschen und Hecken und profitiert von einer grosszügigen Anlage von Buntbrachen. Die Vögel sind Teilzieher: In milden Wintern kehren sie früh in die Brutgebiete zurück, bei strenger Witterung kommt es unter den bei uns ausharrenden Vögeln zu grossen Verlusten.
Schwarzkopfmöwe Die Überzahl der Lachmöwen macht das Aufspüren der seltenen Schwarzkopfmöwe nicht leicht. Ist ein Altvogel einmal erspäht, zeigen sich deutliche Unterschiede: das fast vollständig weisse Gefieder, die schwarze, weit in den Nacken reichende Kapuze und der blutrote Schnabel mit schwarzer Binde. Die Schwarzkopfmöwe ist ruffreudig und hat eine kennzeichnende, nasale Stimme. Sie hat sich in den letzten Jahrzehnten über ganz Mitteleuropa ausgebreitet und brütet in kleiner Zahl auch in der Schweiz.
Schwarzkopfruderente Die Schwarzkopfruderente stammt ursprünglich aus Amerika. Ihre Geschichte in Europa beginnt in England, wo 1953 die ersten Volierenvögel entkamen. In der Folge nahm die Population zu und breitete sich auf das europäische Festland aus. Das blieb nicht ohne Folgen für die seltenere Weisskopfruderente, weil die amerikanische Art ihre europäische Verwandte konkurrenziert und sich mit ihr kreuzt.
Schwarzmilan Der Schwarzmilan ist im Gegensatz zum Rotmilan ein ausgesprochener Zugvogel und stärker ans Wasser gebunden. Nach der Ankunft ab März beginnen die Paare mit der Balz. Dabei sind die typischen wiehernden und trillernden Rufreihen zu hören. Als gewandter Flieger greift der Schwarzmilan oft auf dem Wasser treibende Fische in elegantem Sturzflug, schwingt sich wieder in die Höhe und kröpft seine Beute gleich im Flug. Nicht selten sucht er auch Autobahnen und Müllplätze nach Nahrung ab.
Schwarzspecht Der krähengrosse Schwarzspecht ist die grösste europäische Spechtart. Mit dem einheitlich schwarzen Gefieder, dem roten Scheitel, dem mächtigen, elfenbeinfarbenen Schnabel und der hellen Iris ist er kaum zu verwechseln. Trotz seiner Grösse bekommt man den scheuen Vogel nicht oft zu Gesicht. Er ist ruffreudig und verfügt über zahlreiche verschiedene Lautäusserungen. Gerne zerhackt er morsche Holzstümpfe, entrindet frische Strünke und insektenbefallene Bäume und meisselt tiefe Löcher in kernfaule Fichten
Seeregenpfeifer Seeregenpfeifer tragen ihren Namen zu Recht, denn sie leben grösstenteils an der Meeresküste. Dieser Lebensraum wird zunehmend für menschliche Freizeitaktivitäten und den Tourismus genutzt, wodurch die Art in Bedrängnis gerät und die Bestände besonders im nördlichen Verbreitungsareal abnehmen. Der Seeregenpfeifer ist der zierlichste Vertreter dieser Watvogelgruppe.
Silbermöwen Im Norden Europas sind die lärmenden Silbermöwen an den Küsten und den Häfen allgegenwärtig. Sie zählen zu den besonders anpassungsfähigen Vögeln und haben sich dadurch eine Vielzahl von Nahrungsquellen erschlossen. Die Silbermöwe brütet in grossen Kolonien. Sie ist brutplatztreu und kann über 30 Jahre alt werden. Die Partner erkennen sich am Ruf, selbst im Gekreisch einer 10 000 Brutpaare umfassenden Kolonie. Nur wenige Silbermöwen erreichen im Winterhalbjahr unsere Gewässer.
Singdrossel Der Gesang der Singdrossel vermittelt Vorfrühlingsstimmung. Bereits früh im März hallen die Wälder in der Dämmerung von den Wiederholungen der lauten und klaren Motive wider. Bekannt ist die Singdrossel vor allem wegen ihrer Drosselschmieden: An geeigneten, regelmässig genutzten Steinen zertrümmert sie das Gehäuse von Schnecken, um an den weichen Körper zu gelangen.
Singschwan Die Ankunft der Singschwäne in den traditionellen Winterquartieren am Bodensee kündet den nahen Winter an, sofern dieser nicht bereits eingezogen ist. Die Schwäne in der verschneiten Winterlandschaft bieten ein einzigartiges Stimmungsbild, das durch ihre melodiös posaunenden und trompetenden Rufe noch verstärkt wird. Die Familien ziehen gemeinsam in die Winterquartiere und bleiben bis gegen Ende des Winters zusammen. Der Singschwan ernährt sich von Unterwasserpflanzen. Im Gegensatz zum Höckerschwan gräbt der Singschwan mit dem Schnabel nach Wurzeln und Knospen.
Sommergoldhähnchen Das Sommergoldhähnchen kommt nur in der Westpaläarktis vor. Es ist wie das Wintergoldhähnchen ein Leichtgewicht, das im Gegensatz zur etwas widerstandsfähigeren Zwillingsart die Schweiz im Winter grösstenteils verlässt. Es ist weniger an Fichten gebunden als das Wintergoldhähnchen und nutzt neben Nadelholz auch Laubbäume. Wo Waldschäden auftreten, bekommen die Vögel schnell Probleme: Die ausgedünnten Äste bieten ihnen keinen ausreichenden Schutz mehr und das Nahrungsangebot ist stark eingeschränkt.
Sperber Der Sperber ist ein Meister des Überraschungseffekts: Schnell fliegt er einer Hecke oder einer Böschung entlang, schiesst plötzlich über sie hinweg in eine Singvogelschar, greift sich ein Opfer und ist wieder verschwunden. In der Brutzeit bewohnt er hauptsächlich Wälder, vor allem im Winter ist er auch in Siedlungen anzutreffen. Hier sind die Singvögel an den Futterstellen eine leichte Beute, doch lauern mit Fensterscheiben auch zusätzliche Gefahren. Oft machen die Singvögel mit durchdringenden Warnrufen auf den Feind aufmerksam.
Sperbergrasmücke Die Sperbergrasmücke bewohnt gebüschreiche, reich strukturierte Landschaften. Die Brutnachbarschaft mit dem Neuntöter ist in Europa regelmässig und wird vom Grasmückenmännchen offenbar aktiv herbeigeführt. Das Warn- und Verteidigungsverhalten des Würgers gegen Nesträuber scheint den Bruterfolg der Sperbergrasmücke zu steigern, auch wenn diese vom Neuntöter regelmässig attackiert wird.
Sperlingskauz Der Sperlingskauz ist die kleinste Eule Europas. Trotz seiner geringen Grösse ist er sehr kräftig und kann grosse Drosseln erlegen. Das kleine «Teufelchen» wird nur selten entdeckt, obschon es tag- und dämmerungsaktiv ist. Im Frühjahr und Herbst macht es oft durch den Gesang auf sich aufmerksam. Der Sperlingskauz sitzt gerne auf einer Fichtenspitze, wobei er den Kopf schnell dreht und ruckartige Schwanzbewegungen ausführt. Auf dem Hinterkopf befindet sich ein «Scheingesicht», das ihn vor Angriffen von hinten schützen soll.
Spiessente Kaum eine andere Ente kann die Eleganz der männlichen Spiessente übertreffen. Der lange, schlanke Hals, der kleine Kopf und die schmalen Flügel prägen ihre Erscheinung. Am auffälligsten sind die etwa 10 cm verlängerten Steuerfedern. Sie sind bei schwimmenden wie bei fliegenden Spiessenten gut zu sehen. Die Art gehört zu den am häufigsten auf ägyptischen Malereien abgebildeten Vogelarten.
Star1  Der Star ist ein munterer Geselle, der vor allem ausserhalb der Brutzeit oft in grossen Ansammlungen auftritt. Schwärme von lärmigen Staren, die zu Tausenden kurz vor Einbruch der Dunkelheit zu ihren Schlafplätzen ziehen, sind vielerorts ein gewohnter Anblick. Durch die gesellige Lebensweise profitieren die Vögel voneinander, indem sie sich an die günstigen Nahrungsgebiete führen und sich gegenseitig vor Feinden warnen. Bei Flugmanövern über Schlafplätzen sowie beim Angriff von Greifvögeln ziehen sich Schwärme schnell zu Bändern oder kugelförmigen Haufen zusammen, die sich extrem koordiniert bewegen. In Obstkulturen, Weinbergen und im Winter in Olivenhainen können Starenschwärme aber Schäden anrichten.
Steinadler Der «König der Lüfte» erreicht eine Spannweite von bis zu 2,2 Metern. Als einziger grosser Beutegreifer in der Schweiz hat der Steinadler die Zeiten rücksichtsloser Verfolgung überstanden, in der Bartgeier, Luchs, Wolf und Braunbär ausgerottet wurden. Mittlerweile hat sich der Adlerbestand erholt und ist heute in den Alpen nahezu gesättigt. Durch die grosse Zahl unverpaarter Einzeladler werden Revierpaare immer wieder in Streitigkeiten verwickelt. Regelmässig sind sie daher vom Horst abwesend, was den Bruterfolg verringert.
Steinhühner Steinhühner sind schwer zu entdecken. Sie halten sich gerne an mosaikartig gegliederten und unübersichtlichen Südhängen an und über der Waldgrenze auf. Wenn man sich ihnen nähert, drücken sie sich oder schleichen im Gewirr von Felsblöcken und strukturreichen Zwergstrauch- und Rasenflächen davon. Ihr felsenfarbenes Gefieder tarnt sie vorzüglich und lässt sie eins werden mit den Steinen und Felsen ihres Lebensraums. Werden die Vögel überrascht, fliegen sie mit pfeifenden Fluggeräuschen schnell bergabwärts ausser Sichtweite.
Steinkauz Der Steinkauz hat bei uns seit Jahrhunderten in unmittelbarer Nachbarschaft des Menschen gelebt, oft als Untermieter in Scheunen und Ruinen. In der bäuerlichen Bevölkerung galt er mit seinen mysteriösen nächtlichen Rufen als «Totenvogel», bei den alten Griechen war er das Sinnbild der Göttin Athene, was im wissenschaftlichen Namen zum Ausdruck kommt. Durch den Rückgang extensiv bewirtschafteter Obstgärten setzte ab den Fünfzigerjahren ein schneller Rückgang ein, und heute sind die kleinen Kobolde grösstenteils verschwunden.
Steinrötel Der farbenprächtige Steinrötel hat in den Alpen eines seiner nördlichsten Brutvorkommen in Europa. Trotz der lebhaften Färbung mit der leuchtend roten Körperunterseite, dem blauen Kopf und der blauen Oberseite ist ein auf seiner Warte unbeweglich sitzendes Männchen oft nur schwierig zu entdecken. Auffällig ist dagegen der Singflug: Das Männchen steigt mit gefächertem Schwanz wie eine Lerche flatternd auf. Am höchsten Punkt kann es für einige Momente in der Luft stehen, fällt herab und steigt erneut auf.
Steinmätzler Als Langstreckenzieher hat der Steinschmätzer lange Flügel und kann gewaltige Flugleistungen vollbringen. So fliegen die Brutvögel Grönlands teils im 3000 Kilometer langen Direktflug über den offenen Atlantik auf die Iberische Halbinsel, teils über Island und Grossbritannien, um in ihre Überwinterungsgebiete südlich der Sahara zu gelangen.
Stieglitz Der bunte Stieglitz war schon seit der Römerzeit wegen seiner Farbenpracht, seines Gesangs, seiner Verträglichkeit und weil er sich leicht mit Kanarienvögeln kreuzen lässt, ein beliebter Käfigvogel. Seinen Namen hat er vom oft zu hörenden Kontaktruf «stiglit». Der andere gängige Name Distelfink erhielt er, weil er im Sommer und Herbst oft auf Disteln sitzt und mit dem relativ langen und spitzen Schnabel die Samen aus den Fruchtständen klaubt. Geeignete Nahrungspflanzen sind für den Stieglitz jedoch oft Mangelware, was nicht zuletzt durch unseren «Sauberkeitsfimmel» mitverursacht wird.
Stockente Die Stockente ist für viele die Wildente schlechthin. Sie ist die am weitesten verbreitete Gründelente der Welt und die Stammform unserer Hausente. Stockenten sind ausserordentlich anpassungsfähig und brüten in einer Vielzahl von Lebensräumen von Sibirien bis in die Subtropen. Zudem haben sie nur wenig Scheu vor Menschen, lassen sich füttern und nisten auch mitten in der Stadt in Blumenkisten auf Dachterrassen und Balkonen. Oftmals treten abweichend gefärbte Enten mit weissen oder dunklen Federpartien auf. Dabei handelt es sich um Bastarde zwischen Stockenten und Hausentenrassen.
Strassentaube Strassentauben gehören ins Bild aller grossen Städte. Oft sind sie zu einer Touristenattraktion geworden. So ist der Markusplatz in Venedig ohne Tauben unvorstellbar. Die Strassentaube, deren Stammform die Felsentaube ist, hat sich vollkommen an den Lebensraum Stadt angepasst. Einige Taubenfreunde haben eine sehr innige Beziehung zu ihren Vögeln. Wegen des üppigen Nahrungsangebots und mangels natürlicher Feinde führen die grossen Taubenschwärme vielerorts zu Problemen.
Sturmmöve Sturmmöwen sind in den letzten Jahrzehnten im Winter zu einer vertrauten Erscheinung an unseren Gewässern geworden, gerade in Quai- und Hafenanlagen. Da sie grösser und kräftiger sind als Lachmöwen, setzen sie sich bei den wilden Verfolgungsjagden um die begehrtesten Nahrungsbrocken und bei Auseinandersetzungen um die besten Ruheplätze meistens gegen die kleinere Art durch.
Sumpfmeise Der monotone Gesang der Sumpfmeise ist meist nur für kurze Zeit im März zu vernehmen. Sie bewohnt - trotz des deutschen Artnamens - nicht Sumpfgebiete, sondern bevorzugt alte Baumbestände in Wäldern, Obstgärten, Gärten und Parks. Als ausgesprochener Standvogel entfernt sie sich kaum von ihrem Revier. Sobald ein gutes Samenangebot vorhanden ist, versteckt die Sumpfmeise fettreiche Samen und Körner als Vorräte. Ein erstaunliches Erinnerungsvermögen hilft ihr, die Vorratslager wiederzufinden.
Sumpfrohrsänger Der Sumpfrohrsänger ist die Zwillingsart des Teichrohrsängers. Im Gegensatz zu dessen monotonem Gesang imitiert er andere Vogelstimmen meisterhaft. Dadurch entsteht ein abwechslungsreiches, lebhaftes Geschwätz mit quirlenden, gequetschten und rauen Lauten. Besonders häufig unter den einheimischen Vogelarten werden Gesangsfragmente von Feldlerche, Rauchschwalbe, Amsel, Dorngrasmücke, Blaumeise, Feldsperling, Hänfling und Grünfink eingebaut. Der Sumpfrohrsänger verbringt nur rund drei Monate im Brutgebiet.
Tannenhäher Der Tannenhäher ist ein ausgesprochener Waldbewohner, und zwar des Nadelwaldes. Er frisst am liebsten Arven- und Haselnüsse. Im Herbst klaubt er die Arvennüsse aus den Zapfen, verstaut sie in grosser Zahl in seinem unter der Zunge gelegenen Kehlsack und transportiert sie in Vorratsverstecke. Der Tannenhäher vollbringt eine enorme Leistung, denn jeder Vogel sammelt schätzungsweise 30 000 bis 100 000 Arvennüsse pro Jahr. Im Winter muss er sich manchmal über einen Meter tief durch den Schnee zum Versteck vorarbeiten. Trotz der hohen Wiederfundrate der Vorräte von über 80 Prozent werden zahlreiche Samen nicht mehr gefunden. Der Tannenhäher ist damit der hauptsächliche Garant für den Fortbestand der Bergwälder.
Tannenmeise Die Tannenmeise ist unsere kleinste Meise und stark an Nadelbäume gebunden. Besonders im Bergwald macht sie sich überall durch ihren hellen Gesang bemerkbar. Bei der Balz stolziert das Männchen entweder mit aufgerichtetem Schwanz, hängenden Flügeln und geplusterten Federn auf und ab oder beugt sich mit gefächertem Schwanz und flatternden Flügeln nach vorn. Im Winter schliessen sich Tannenmeisen oft mit anderen Meisen, Kleibern, Baumläufern und Goldhähnchen zusammen.
Teichhühner Teichhühner nisten am liebsten im Dickicht am Rand von Teichen, Seen oder Flüssen und verraten sich meist nur durch ihre gutturalen Rufe. Im Winter sind sie leichter zu beobachten, da sie ihren deckungsreichen Lebensraum verlassen und auf Wiesen, in Parks oder an offenen Gewässern erscheinen. Beim Schwimmen, auf Schlickflächen und auf Wiesen bewegen sie sich ruckartig und zucken dabei mit dem Schwanz, so dass die weissen Unterschwanzdecken aufleuchten. Mit den langen Zehen können sie sich auf Schwimmblättern fortbewegen.
Teichrohrsänger Kaum ein Schilfgebiet ist zu klein für den Teichrohrsänger. Er ist bestens an das Leben in diesem gleichförmigen Lebensraum angepasst und klettert mit seinem schlanken Körper geschickt durchs Pflanzengewirr. Der Teichrohrsänger hat die Angewohnheit, auf einem Schilfhalm hinauf und herunter zu rutschen und von Stängel zu Stängel zu hüpfen. In dicht besiedelten Röhrichtflächen kann es in der Morgen- und Abenddämmerung zu einem regelrechten Chorgesang kommen.
Teichwasserläufer Der Teichwasserläufer ist mit seinem schlanken Körper, dem dünnen, geraden Schnabel und den langen, gelblichgrünen Beinen der grazilste Wasserläufer und erinnert etwas an einen Stelzenläufer. Er bewohnt die Steppenzone von Südrussland bis an den Ostrand Mittelsibiriens und tritt bei uns nur in geringer Zahl auf, hauptsächlich im Frühjahr. Der Teichwasserläufer erscheint oft zusammen mit dem Grünschenkel, mit dem er manchmal wegen seiner ähnlichen Färbung verwechselt wird.
Trauerente Im Unterschied zu den anderen nordischen Meeresenten ziehen Trauerenten von den Brutgebieten im hohen Norden Eurasiens entlang der Atlantikküste südwärts teils bis vor die Küste Nordwestafrikas. Im Binnenland tritt sie als seltener Durchzügler und Wintergast auf.
Trauerschnäpper  Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt der Trauerschnäpper in der Schweiz als recht seltener Brutvogel. Danach setzte eine starke Zunahme ein, die unter anderem durch das Aufhängen von Nistkästen begünstigt wurde. Die älteren Männchen kommen meist vor den jüngeren und den Weibchen an und besetzen anfänglich oft mehrere Nistplätze. Das Weibchen wählt ein Männchen mit einer Nisthöhle aus, wobei die Qualität des Brutplatzes entscheidend ist. Viele Männchen versuchen in einem zweiten Revier, ein weiteres Weibchen anzulocken.
Trauerseeschwalbe Mit ihrem eleganten, gaukelnden und etwas unsteten Flug erinnert die Trauerseeschwalbe an eine grosse Schwalbe. Meist in lockerem Schwarm fliegend schnappen die Vögel die Beute im niedrigen Bogenflug von der Wasseroberfläche und wechseln dabei ständig Körperlage, Richtung und Flügelschlagfrequenz. Im Juli und August tritt die Trauerseeschwalbe den Wegzug ins tropische Afrika an. Dann kommt es in den Niederlanden zu Ansammlungen von riesigen Trupps.
Tüpfelsumpfhuhn Dem Tüpfelsumpfhuhn gelingt es meisterhaft, sich im Schutz einer Verlandungszone zu verstecken. Nur selten kommt der gedrungen wirkende Vogel an den Vegetationsrand oder wagt sich auf die offene Schlickfläche hinaus, wobei er stets vorsichtig wirkt und nervös den Schwanz stelzt. Bei Gefahr oder Beunruhigung huscht er blitzartig wieder ins dichte Pflanzengewirr zurück.
Türkentaube Der Name der Türkentaube verrät ihre orientalische Herkunft. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sie ihr Areal vom Balkan bis auf die Britischen Inseln und an den Polarkreis erweitert. In den letzten Jahren besiedelte sie auch das restliche Europa, nämlich weite Teile Russlands, Island und die Iberische Halbinsel. Während die Altvögel meist Standvögel sind, können sich die Jungen in grösserer Entfernung ansiedeln, was die Ausbreitung begünstigt. Die Art ist mit ihrer dreisilbigen Balzstrophe kaum mehr aus unseren Siedlungen wegzudenken
Turmfalke Der Turmfalke ist vor allem für seine Jagdweise bekannt: Plötzlich stellt er sich im Flug gegen den Wind und verharrt dank dem Rüttelflug und dem breit gefächerten Schwanz erstaunlich lange an der gleichen Stelle, um nach Mäusen Ausschau zu halten. Bei uns ist der Turmfalke noch weit verbreitet, ist aber seit den Sechzigerjahren in den Niederungen wesentlich seltener geworden. Schuld daran sind die ausgeräumten, intensiv genutzten Landschaften, wodurch das Nahrungsangebot und die Nistmöglichkeiten abgenommen haben.
Turteltaube Das ausdauernde Gurren der Turteltaube, das in der Schweiz besonders in den klimatisch milderen Gebieten zu hören ist, hat die Menschen schon in der Antike beeindruckt, wie verschiedene Aufzeichnungen belegen. Lautmalerisch ist neben dem deutschen auch der wissenschaftliche Artname. Als einzige unserer Taubenarten überwintert die Turteltaube südlich der Sahara. In mediterranen Ländern ist sie ein beliebtes Jagdwild, und Hunderttausende fallen alljährlich der Jagd zum Opfer.
Uferschnepfe Die langbeinige Uferschnepfe bewohnt Niedermoore und extensiv genutzte Feuchtwiesen, oft zusammen mit dem Kiebitz. Mit ihrem langen, fast geraden Schnabel stochert sie im feuchten Boden und Seichtwasser nach Würmern, Schnecken und anderen Wirbellosen. Sie ist wegen der zunehmend intensiveren Grünlandnutzung und der Grundwasserabsenkung zunehmend gefährdet.
Uferschwalbe Die Uferschwalbe brütet in Kolonien in Kiesgruben, früher hingegen in Steilufern von unverbauten Flüssen. In den Brutkolonien, die bis über 100 Paare beherbergen können, herrscht ein reges An- und Abfliegen. Meist ist die Luft von den Rufen zahlreicher Uferschwalben erfüllt, die sich geschwätzig unterhalten oder zu ihren Nesteingängen fliegen. Die bis über einen Meter langen Brutröhren werden nur mit den Füssen gegraben. Sind die Röhren unbewacht, wird das Nistmaterial in grossen Kolonien häufig von den Nachbarn gestohlen.
Uhu Der Uhu ist eine imposante Erscheinung. Tagsüber ruht er gerne an störungsarmen, deckungsreichen Stellen in Felswänden, von wo er sein Revier überblicken kann. Er kommt sowohl über der Waldgrenze als auch in den Niederungen vor und ist recht anspruchslos, sofern das Gebiet reich an Beutetieren ist. Heute hat sich der Brutbestand in unserem Land zwar wieder etwas erholt, aber der Uhu erleidet durch die Verkabelung und Verdrahtung der Landschaft sowie durch den Verkehr hohe Verluste.
Wachholderdrossel Die Wacholderdrossel brütet als einzige Drosselart gerne in Kolonien und hat ein kleines Stimmenrepertoire. Meist sind die Vögel an ihrem lärmenden und schwätzenden «Schak-schak» zu erkennen. Dazwischen mischt sich zuweilen das schrillere «Wiek» eines Vogels, der den Anschluss an die Schar verpasst hat und wieder dazu stossen möchte. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist diese ursprünglich in den sibirischen Nadelwäldern heimische Art von Nordosten her in die Schweiz eingewandert. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sie sich fast im ganzen Land ausgebreitet. Mögliche Gründe für den schnellen Vorstoss der wenig ortstreuen Art in Europa sind mildere Winter, die allmähliche Aufgabe des traditionellen Drosselfangs und ein dank häufigerer Grasschnitte verbessertes Nahrungsangebot.
Wachtel Die etwa starengrosse, rundliche und gedrungen wirkende Wachtel ist der kleinste Hühnervogel Europas und der einzige Zugvogel der Familie. Sie ist durch ihr ungewöhnliches Brutverhalten bekannt: Nach einer ersten Brut in Gebieten mit genügend Niederschlägen im südlichen Mittelmeerraum ziehen die Vögel nach Norden, um hier erneut zu brüten. Noch vor wenigen Jahrzehnten war der typische Wachtelschlag «pick per-wick» auf Schritt und Tritt im offenen Kulturland zu hören.
Wachtelkönig Noch anfangs des 20. Jahrhundert beklagten sich viele Leute über die zahllosen Wachtelkönige, die ihnen durch das unermüdliche Rufen aus jeder Wiese den Schlaf raubten. Diese Zeiten sind heute vorbei. Berühmt ist der doppelsilbige Ruf «rrep-rrrep...». Der wissenschaftliche Name stammt vom griechischen Wort «krex» ab. Schon Aristoteles benannte den Wachtelkönig nach seiner Stimme.
Waldbaumläufer Waldbaumläufer leben in Nadel- und Mischwäldern im Jura und in den Alpen und kommen auch im Mittelland in geringer Dichte vor. Auf der Suche nach Insekten und Spinnen klettern die oberseits rindenfarbig braun gemusterten Vögel etwas ruckartig und spiralförmig Stämme und Äste hoch. Wie Spechte stützen sie sich mit den steifen Steuerfedern ab.
Waldkauz Oft sind schon im Spätwinter nach Einbruch der Dunkelheit die schaurig heulenden Balzrufe des Waldkauzmännchens zu hören, dem das Weibchen gellend antwortet. Unsere häufigste Eulenart ist keineswegs nur in Wäldern zu finden, auch Parkanlagen in Grossstädten bewohnt sie regelmässig. Tagsüber döst das nachtaktive «Käuzchen» meist vor seiner Baumhöhle. Nicht selten wird es dann von Kleinvögeln, die auf seiner Beuteliste stehen, mit heftigem Gezeter «beschimpft».
Waldlaubsänger Mit seinem auffallenden Gesang und dem Balzflug in den Baumkronen belebt der Waldlaubsänger unsere buchenreichen Laubwälder, zu deren lichtgrünem Laub sein lebhaft gelbgrünes Gefieder bestens passt. Das Nest - ein kunstvoller Kugelbau - errichtet er am Boden. Wichtig ist, dass der Eingang von einem niedrigen Zweig aus sichtbar ist. Dieser Zweig bildet die unterste Stufe einer Reihe von Zweigen, die wie eine Treppe in Nestnähe führt und immer gleich benutzt wird, wenn die Vögel zum Nest fliegen.
Waldohreule Die dumpfen Balzrufe der Waldohreule, die in Februar- und Märznächten vorgetragen werden, sind nicht weit hörbar. Tagsüber sind die Vögel wegen ihres rindenfarbenen Gefieders kaum zu entdecken. Am ehesten verraten die oft die ganze Nacht über laut fiependen Jungeulen die Anwesenheit der Art. Die namensgebenden «Ohren» sind lediglich verlängerte Kopffedern.
Waldwasserläufer Von den Watvögeln zieht der Waldwasserläufer als erster wieder südwärts. Die ersten Durchzügler treten bei uns bereits ab Ende Mai auf, kaum eine Woche nach den letzten Heimkehrern. Das liegt daran, dass die einzelnen Populationen unterschiedlich weit wandern. Als Ausnahme unter den Limikolen brütet der Waldwasserläufer nicht am Boden, sondern in Bäumen, meist in verlassenen Drosselnestern.
Wanderfalke Der Wanderfalke erlitt ab Mitte der Fünfzigerjahre europaweit massive Bestandseinbussen, weil er empfindlich auf schlecht abbaubare Umweltgifte reagiert. Das hat den prächtigen Greifvogel in der Schweiz an den Rand des Aussterbens gebracht. Dank dem Verbot einzelner Pestizide und dem gesetzlichen Schutz hat es der Wanderfalke geschafft, zum erfolgreichen Rückkehrer zu werden. Die schnittigen Flieger erreichen im Sturzflug atemberaubende Geschwindigkeiten und stürzen sich wie ein Geschoss auf ihre Beute.
Wasseramsel Wasseramseln sind die einzigen Singvögel, die nicht nur gut schwimmen, sondern auch sehr geschickt tauchen können. Sie haben dazu auffällige Anpassungen ausgebildet, wie schwere, markgefüllte Knochen, kurze rundliche Flügel, mit denen sie sich unter Wasser fortbewegen, und ein festes, pelzdunenreiches Gefieder. Das Auge wird unter Wasser durch die halbtransparente Nickhaut geschützt und die Ohröffnung durch eine Hautfalte verdeckt. Selbst in tosende Bäche wagt sich die Wasseramsel hinein.
Wasserralle Die Wasserralle lebt die meiste Zeit versteckt in dichten, breiten Röhricht- und Schilfgürteln. Sie verrät sich oft nur durch die lauten, abfallenden «quiik-quiik»-Rufe, die stark an das Quieken eines Ferkels erinnern. Ein besonders schmaler Körper ermöglicht es den Rallen, sich im Pflanzendickicht ohne Schwierigkeiten rasch durchzuschlängeln. Oft benützen sie bestimmte Pfade.
Weissrückenspecht Der Weissrückenspecht ist der grösste und seltenste der schwarzweissen Spechte. Erst seit wenigen Jahren werden im Osten des Landes regelmässig einzelne Brutpaare festgestellt. Wegen seiner hohen Lebensraumansprüche - naturnahe Wälder mit vielen absterbenden und toten Bäumen - ist das Vorkommen des Weissrückenspechts auf entlegene und schwer zugängliche Wälder beschränkt. Er hat eine heimliche Lebensweise und ist am ehesten in der Balzperiode zu beobachten.
Weissstorch Der Weissstorch ist als Kinder bringender Klapperstorch und als Glücksbringer «Adebar» wohlbekannt. Seit der Antike wurde der Storch als Botschafter der Fruchtbarkeit von einigen Völkern vergöttert und geschützt. Die Intensivierung und moderne Methoden der Landwirtschaft sind verantwortlich, dass diese Stelzvögel heute Probleme haben, ihre Jungen mit ausreichend Nahrung zu versorgen. Weitere Schwierigkeiten ergeben sich durch ihre Vorliebe für feuchte Wiesen, die zunehmend entwässert wurden, durch Kollisionen mit Freileitungen, den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln und den Jagddruck in den Durchzugs- und Winterquartieren. Mittlerweile geht es mit dem Storchenbestand in der Schweiz dank dem ehrgeizigen Wiederansiedlungsprojekt von Max Bloesch wieder aufwärts. Sollen die stolzen Vögel bei uns auch in Zukunft ein Auskommen haben, müssen wir für sie geeignete Lebensräume erhalten und aufwerten.

Wendehals

Der wärmeliebende Wendehals mit dem ausgezeichneten Tarngefieder ist in mehrfacher Hinsicht einzigartig: Obschon er zu den Spechten gehört, zimmert er keine eigene Bruthöhle, sondern übernimmt eine Baumhöhle oder einen Nistkasten. Auch dass der Wendehals aufrecht auf Ästen sitzt und gelegentlich zweimal im Jahr brütet, ist untypisch für Spechte. Er ist kein Standvogel wie seine Verwandten, sondern überwintert vorwiegend in der Sahelzone.
Wespenbussard Der Wespenbussard lebt in der Brutzeit recht heimlich in Waldgebieten und sitzt kaum frei auf einer Warte wie der Mäusebussard. Die für einen Greifvogel ungewöhnliche Nahrung, vorwiegend staatenbildende Insekten, erlaubt nur einen knapp fünf Monate dauernden Aufenthalt im Brutgebiet. Ab Ende August brechen die Vögel zu einer 7000 Kilometer langen Wanderung in ihr Winterquartier auf, die Regenwälder Afrikas. Dabei kann es an topografischen Hindernissen und Leitlinien mit thermischen Aufwinden zu Massierungen kommen.
Widehopf Mit dem prächtigen Kopfschmuck, dem orangebräunlichen Gefieder und den breiten, schwarzen und weissen Bändern auf Schwingen und Schwanz wirkt der Wiedehopf wie ein exotischer Vogel. Er stellt hohe Ansprüche an seinen Lebensraum: Besonders ein üppiges Angebot an Grossinsekten und geeignete Bruthöhlen müssen vorhanden sein. In der Schweiz findet er nur noch in wenigen Gebieten ein Auskommen. Hier sind im Frühling die dreisilbigen «hup hup hup»-Balzrufe zu hören, wovon sich auch der wissenschaftliche Name ableitet.
Wiesenpieper Auf dem Durchzug sind Wiesenpieper oft zahlreich auf Feldern anzutreffen. Sie lassen sich gerne in Wiesen mit hohem Gras oder in Gemüseäckern nieder und fliegen nur bei einer Störung oder einem auftauchenden Greifvogel auf, weshalb sie oft übersehen werden. Ihr Flug wirkt etwas zaghaft und unentschlossen, die Flugweise hüpfend. Als Brutvogel bevorzugt der Wiesenpieper vor allem frische bis feuchte Wiesen und Weiden sowie Hochmoore in den Nordalpen und im Jura.
Wintergoldhähnchen Mit nur 4-8 Gramm Gewicht ist das Wintergoldhähnchen der kleinste Vogel Europas. Es ernährt sich ganzjährig von winzigen, weichhäutigen Insekten und Spinnen. Ein Vogel dieser Grösse muss Erstaunliches leisten, um seine Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Jeden Tag braucht er Nahrung im Umfang des eigenen Körpergewichts. Während der kurzen Wintertage muss er in 6-7 Stunden genügend Insekten fangen, um die rund 17-stündige Nacht bei kalten Temperaturen im Freien zu überstehen. Die nördlichen Brutgebiete werden im Winter vollständig geräumt, denn die dortigen kurzen Wintertage reichen wohl nicht aus, um genügend Reserven für die Nacht zu sammeln.
Zaunammer Die Zaunammer ist eine wärmeliebende Art, deren Hauptverbreitungsgebiet auf die Südwestpaläarktis beschränkt ist. Im nördlichen Bereich des Areals haben Klimaschwankungen beträchtliche Auswirkungen auf die Verbreitung und den Bestand. Die monoton wiederholten klirrenden oder leiernden Gesangsstrophen verbreiten in einigen Regionen der Schweiz einen Hauch von Mittelmeerstimmung. Im Winter verhält sich die Zaunammer heimlich oder schliesst sich Goldammertrupps an, weshalb sie zum Teil übersehen wird.
Zaunkönig Zaunkönige gehören zu unseren kleinsten Vögeln. Die kleinen Federbälle können wie Mäuse durch bodennahes Gestrüpp huschen und auf der Jagd nach Insekten und Spinnen die entferntesten Winkel absuchen. Der schmetternde und trillernde Gesang ist für den Winzling erstaunlich laut. Der Zaunkönig zuckt oft mit dem kurzen, gestelzten Schwanz, bei stärkerer Erregung macht er knicksende Körperbewegungen. In nahrungsgünstigen Revieren gelingt es Männchen, mit mehreren Weibchen verpaart zu sein.
Ziegenmelker Der Ziegenmelker ruht tagsüber regungslos und verlässt sich auf seine Tarnung. Meist ist der schnurrende Gesang der einzige Hinweis auf seine Anwesenheit. Um den Ziegenmelker rankten sich in früheren Zeiten viele Geschichten. So wurde er von den alten Griechen Ziegenkopf genannt, da er sich nachts den Ställen näherte. Die Mär kursierte, dass er die Ziegen melke und diese daraufhin erblinden würden.
Zilpzalp Mit einem deutlichen, oft wiederholten «zilp zalp» stellt sich der unscheinbare Laubsänger gleich selber vor. Als einer der ersten Zugvögel ist sein Gesang bereits Mitte März bei uns zu hören. Regelmässig versuchen einige Vögel bei uns zu überwintern, vor allem in Gewässernähe. Bei der Wahl des Reviers ist der Zilpzalp wenig wählerisch und besiedelt fast jeden Wald bis zur Baumgrenze. Er ist einer unserer verbreitetsten Brutvögel. Das kugelige Nest wird vom Weibchen allein gebaut, wozu es mindestens 1200 Transportflüge benötigt.
Zippammer Obwohl die Zippammer nicht besonders scheu ist, lebt sie doch zurückgezogen und ist leicht zu übersehen. Die scharfen, namensgebenden «zip»-Rufe verraten ihre Anwesenheit, sind aber nicht einfach zu orten. Die Zippammer liebt die Wärme und felsiges Gelände und lebt bei uns vorwiegend in den klimatisch begünstigtsten Landesteilen. In der Schweiz stösst sie schon fast an die Nordgrenze ihres Areals. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt im Mittelmeergebiet, im Nahen Osten und in Zentralasien.
Zitronenzeisig Der Zitronenzeisig brütet nur in Europa. Die wichtigsten Vorkommen liegen in den Alpen, den Pyrenäen und einigen nord- und zentralspanischen Gebirgen. Er bevorzugt lichte Bergwälder, die vor allem an der Waldgrenze und auf Waldweiden zu finden sind. In milden Wintern ist der Gesang bei uns schon ab Mitte Februar zu hören, wenn der Zitronenzeisig aus den südfranzösischen und spanischen Überwinterungsgebieten zurückgekehrt ist. Bis in den Mai hinein können die Vögel wegen später Schneefälle vorübergehend auch in tieferen Lagen oder im Talgrund angetroffen werden.
Zwergdommel Die Zwergdommel bewohnt dicht mit Schilf und Rohrkolben bestandene Ufer von Seen, Teichen oder Altläufen und zeigt sich ihren Beobachtern kaum. Meist hält sie sich im Schilfsaum auf und nützt die gute Tarnung ihres Gefieders. Die kleinste europäische Reiherart klettert geschickt bis zu den Spitzen der Schilfhalme und zeigt sich am ehesten im Flug. Die Männchen stossen in der Dämmerung und nachts dumpfe, regelmässig wiederholte Balzrufe aus, die im Konzert der Frösche recht schwer auszumachen sind.
Zwergmöwe Der Flug der Zwergmöwe ist anmutig und elegant: Sie vollführt gewandte Flugmanöver, um Mücken, Köcherfliegen und Kleinlibellen von oder knapp über der Wasserfläche zu schnappen. Oft hält sich diese schwarzköpfige Möwe mit den schwarzen Unterflügeln und dem weissen Flügelhinterrand weit draussen auf dem See auf, so dass sie ohne Fernrohr kaum aufzuspüren ist. Besonders um die Monatswende April/Mai treten am Genfersee grosse Ansammlungen auf.
Zwergohreule Der monoton flötende Gesang der Zwergohreule, der in windstillen Frühlingsnächten pausenlos ertönen kann, könnte bei uns bald nicht mehr zu hören sein. Die Erweiterung von Weinbergen, Bautätigkeit und der Rückgang von Grossinsekten entziehen der wärmeliebenden Art die Lebensbedingungen immer mehr. Derzeit gibt es nur noch ein kleines Restvorkommen im Mittelwallis. Die Vögel sind dank ihres rindenfarbigen Gefieders tagsüber kaum zu entdecken und die einzigen Langstreckenzieher unter den einheimischen Eulen.
Zwergsäger Von den drei europäischen Sägerarten ist der Zwergsäger mit Abstand der kleinste. Wie die anderen Säger und die Schellente ist er ein Höhlenbrüter. Die Männchen sind im Prachtkleid leuchtend weiss und haben eine schwarze Maske. Sie sind bei uns deutlich seltener als Weibchen, die schlicht graubraun gefärbt sind und weisse Wangen haben. Das Gastspiel des Zwergsägers auf unseren Gewässern beschränkt sich auf den Winter.
Zwergtaucher Im Frühjahr verraten Zwergtaucher ihre Anwesenheit im Schilfgürtel durch ihr seltsames, lautes Liebesduett, das beide Partner anstimmen. Die Vögel selbst sind kaum zu entdecken. Sie wirken mit dem aufgeplusterten hellen Hinterteil wie kleine schwanzlose Federkugeln, aus denen nur Kopf und Hals hervorragen. Der Zwergtaucher ist der kleinste Fisch fressende Wasservogel und wird von Spaziergängern oft für ein Entenküken gehalten. Im Winter ist er auch in Bootshäfen anzutreffen, bleibt aber recht scheu und taucht bei Beunruhigung rasch hinter ein Boot. Andernorts zieht er sich in die dichte Vegetation zurück.